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Traditionelle und heutige Viehwirtschaft in Griechenland und Folgen für Vegetation und Böden

 

Referent: Martin Fischer


1 Einleitung
2 Allgemeine Entwicklungen in der EU in der Viehwirtschaft
2.1 Rinderzucht: Ein exemplarischer Vergleich zwischen „Großtendenzen“ in der EU und der speziellen Entwicklung in Griechenland
2.1.1 EU Milchkühe
2.2 Schafe und Ziegen
2.3 Vieheinheiten pro Hektar: ein Umweltindikator auf EU Ebene
3 Viehwirtschaft in Griechenland vor dem EU - Beitritt
4 Arten der Haltung von Schafen und Zeigen in Griechenland
4.1 ortsfeste Haltung
4.2 Fernweidewirtschaft
4.2.1 Kalyviawirtschaft
4.2.2 Fernweidewirtschaft ohne Stammdorf der Sarakatsanen und der Aromunen
4.2.3 Sesshaftwerdung der Sarakatsanen und der Aromunen
4.2.4 Gründe für den Rückgang der Fernweidewirtschaft
4.2.5 Exkurs: Sarakatsanen im Bürgerkrieg, ab 1915
5 Auswirkung der Viehwirtschaft auf Vegetation und Böden
6 Literatur

 


1 Einleitung


Das folgende Referat soll über die viehwirtschaftlichen Strukturen im Mittelmeerraum berichten, insbesondere Griechenlands. Die Viehwirtschaft in Griechenland wird überwiegend als extensive Weidewirtschaft (teilweise als Fernweidewirtschaft) betrieben Durch den mageren Bewuchs der Bergweiden ist oft nur Schaf- und Ziegenhaltung möglich. Die „Kleinbauern“ und Hirten waren früher vornehmlich auf Eigenversorgung eingestellt. Seit dem Eintritt Griechenlands in die EU (1981) untersteht auch seine Viehwirtschaft dem EU Agrarregime und es ist eine Hinwendung zu anderen Tierarten (zumeist Kühe / Rinder) und zu einer teilweise intensiveren Wirtschaftsform erkennbar. Ein Vergleich zwischen Griechenland und dem EU Standards und den Entwicklungen soll helfen die besondere Charakteristik der griechischen Viehwirtschaft zu erkennen und die Frage beantworten helfen inwieweit die „Rückständigkeit“ der griechischen Viehwirtschaft (im Vergleich zu der Produktivität der Viehzucht in mitteleuropäischen Ländern) bisher beseitigt wurde. Dabei wird besonderst auf die Rinderhaltung und die Schaf und Ziegenhaltung abgezielt. Im weiteren soll dann ein Blick auf die generelle Entwicklung in der griechischen Viehwirtschaft vor dem EU - Beitritt Griechenlands gemacht werden. Erwähnt werden dabei auch Tiere und deren Produkte, die im Vergleich EU- Griechenland vernachlässigt wurden. Weiterhin werden typische Formen, Merkmale und Strukturen der Viehwirtschaft in Griechenland und deren kulturelle Ausprägung ( Fernweidewirtschaft durch verschiedene ethnisch kulturelle Gruppen) in ihren zeitlichen Entwicklungsverlauf erläutert. Einige davon eingehender. Abschließend soll auf die Auswirkungen eingegangen werden, die Viehhaltung auf die Böden und die Vegetation hat.

 

2 Allgemeine Entwicklungen in der EU in der Viehwirtschaft


In den letzten zwanzig Jahren spielte die Produktion tierischer Erzeugnisse innerhalb der Landwirtschaft eine Hauptrolle. Trotz fundamentaler Veränderungen, denen die Landwirte ausgesetzt sind, behält sie auch weiterhin einen wichtigen Stellenwert. Dies ist insbesondere in Zentral- und Nordeuropa zu beobachten, wo kleine, extensiv wirtschaftende Betriebe durch moderne und spezialisierte Intensivbetriebe ersetzt wurden.
Zusammen mit der Nutzung verbesserter Tiernahrungsmittel und der Einführung spezialisierter Tierarten hat diese Entwicklung zu großem Wachstum in Produktion und Produktivität des Sektors der tierischen Erzeugung geführt. Allerdings sind damit auch neue Umweltbelastungen verbunden. Intensivierung, Vergrößerung und Spezialisierung sind die vorherrschenden Entwicklungen in der Viehwirtschaft in der EU. Gemeinsam mit dem Ackerbau stellt die Viehzucht schon immer einen wichtigen und traditionellen Teil der Landwirtschaft dar. Die Anzahl der auf Viehzucht spezialisierten Betriebe ist in den letzten 20 Jahren um 1/3 gesunken. Die Gesamtzahl aller landwirtschaftlichen Betriebe reduzierte sich um über 25%.
1995 repräsentierten die 2,1 Millionen Betriebe, die sich innerhalb der EU auf Viehzucht spezialisierten, nur 28% aller landwirtschaftlicher Betriebe.
Die gesamte landwirtschaftliche Nutzfläche, die von diesen spezialisierten Betrieben eingenommen wird, sank innerhalb des gleichen Zeitraums allerdings nur um 6%.
1995 beanspruchten sie etwas weniger als die Hälfte der landwirtschaftlichen Nutzfläche der EU.
Diese Entwicklung lässt den Trend dieser spezialisierten Viehzuchtbetriebe der letzten 20 Jahre deutlich erkennen:
eine Vergrößerung der Betriebsflächen, d.h. weniger, aber größere Betriebe. Die durchschnittliche Nutzfläche dieser Betriebe hat sich in der EU um ca. 40% erhöht und erreichte 1995 28,5 ha.
Die auf Weidevieh spezialisierten Betriebe (hauptsächlich Rinder) tragen den wichtigsten Teil des Beitrages aller auf Viehwirtschaft spezialisierten Betriebe bei. Dieser Anteil steigt zeitgleich mit dem der auf Schweine- und Geflügelzucht spezialisierten Betriebe. Die Gemischtbetriebe verlieren an Bedeutung.
1995 waren nur 9% der auf Viehwirtschaft spezialisierten Betriebe in weiteren Arten der Viehwirtschaft aktiv.
1975 betrug dieser Anteil noch 22%.
Mit der Intensivierung der Landwirtschaft geht eine verstärkte Belastung der Umwelt einher. Die Viehwirtschaft wird in zunehmenden Maß von spezialisierten und teilweise extrem spezialisierten Betrieben und mit zunehmendem Einsatz intensiver landwirtschaftlicher Bewirtschaftungspraktiken durchgeführt. In Abhängigkeit von der genutzten landwirtschaftlichen Fläche und der zur Handhabung der Gülle eingesetzten Geräte, können die Umweltauswirkungen problematisch sein. Eine steigende Spezialisierung kann beispielsweise zu einer Erhöhung der Gülleausbringung auf dafür nicht geeigneten Betriebsflächen führen. Im Laufe der Jahre kann so ein Nitrat- oder Phospatspeicher entstehen. Die steigende Zahl von Tieren ist eine Hauptquelle für Ammoniakemissionen, die zu Versauerung des Boden und der Gewässer sowie zu Waldschäden durch sauren Regen beitragen. Landwirtschaftliche Praktiken, die auf Nachhaltigkeit ausgerichtet sind nicht notwendigerweise mit negativen Auswirkungen auf den Boden verbunden.

 

2.1 Rinderzucht: Ein exemplarischer Vergleich zwischen „Großtendenzen“ in der EU und der speziellen Entwicklung in Griechenland


Die Rinderhaltung ist der traditionelle Sektor in der Viehwirtschaft.

Abb. 1: Betriebsspezialisierung der tierischen Produktion: prozentualer Anteil der Spezialisierung, 1975-1995

(Quelle: Eurostat http://europa.eu.int/comm/agriculture/envir/report/de/live_de/fig1.htm )

Rinder werden entweder zur Milch- oder Fleischproduktion gehalten: Die verstärkte Mechanisierung und Automatisierung hat zu bedeutenden strukturellen Veränderungen im Rindersektor geführt. Die Abnahme der Zahl der Betriebe bei einer etwa gleichbleibenden Anzahl von Rindern auf EU Ebene (80 Mio. in EU mit 9 Staaten in 1978 und 85 Mio. in EU 15 mit Staaten in 1995) hat zu einem Anstieg der Rinder pro Betrieb geführt (Abb. 2).



Abb. 2: Betriebe mit Rindern in der EU 1975 – 1995 (in Mio.)

(Quelle: Eurostat http://europa.eu.int/comm/agriculture/envir/report/de/live_de/fig2.htm)


In den meisten Mitgliedsstaaten hat sich die Anzahl der Rinder pro Betrieb mit Rindern in den letzten 20 Jahren zumindest verdoppelt. Dieser Anstieg, gemessen in Vieheinheiten, spiegelt das Anwachsen der Viehzahlen in den meisten Mitgliedsländern wider, in denen die Struktur der Viehbestände der Betriebe mehr oder weniger gleich geblieben ist. In Belgien, Frankreich und den Niederlanden hingegen gewinnt der Anteil an jungen Rindern an Bedeutung. Die Anzahl an Tieren pro Betrieb steigt.


Tab. 1: Entwicklung der Rinderbestände zwischen 1975 und 1995

(Quelle: Eurostat http://europa.eu.int/comm/agriculture/envir/report/de/live_de/tab1.htm)


Zwischen Nord- und Südeuropa besteht ein beträchtlicher Unterschied in der durchschnittlichen Anzahl der Rinder pro Betrieb. Beispielsweise lag 1995 der Durchschnitt für das Vereinigte Königreich mit 87 Rindern pro Betrieb fast sechsmal höher als der für Griechenland (13 Rinder pro Betrieb).
Die landwirtschaftliche Nutzfläche der Rinderhaltungsbetriebe ist seit 1975 in der EU gesunken (1975: 25 Mio. ha für EU 9 und 1995: 24 Mio. ha für EU 15). Die Zahl der Rinder pro LF hingegen zeigt keinen so deutlichen Trend (Abb. 3)

Abb. 3: Rinder, Anzahl pro 100 ha Landwirtschaftsfläche, 1975-1995

(Quelle: Eurostat http://europa.eu.int/comm/agriculture/envir/report/de/live_de/fig3.htm)


Zwischen 1975 und 1985 war generell ein konstanter Anstieg zu beobachten, der sich nach 1985 verlangsamte bzw. stoppte. Wahrscheinlich ist dies auf die Einführung der Milchquoten 1984 zurückzuführen. Diese Maßnahme hatte in den Mitgliedsstaaten unterschiedliche Folgen. So stieg im Gegensatz zum allgemeinen Trend in Griechenland und Italien die Rinderzahl an.
Landwirtschaftliche Betriebe, die sich auf Rinder spezialisiert haben, stellen den extremsten Typ der Viehhaltung dar. 1995 waren 52% aller Viehbetriebe der EU 15 auf Rinder spezialisiert, von denen 59% Weideviehbetriebe waren. 53% der Rinderbetriebe waren 1995 spezialisiert (61% in EU 9). Allerdings bestehen zwischen den einzelnen Mitgliedsstaaten bedeutende Unterschiede (Abb. 4)

Abb. 4: Spezialisierungsgrad der Betriebe mit Rindern 1995

(Quelle: Eurostat http://europa.eu.int/comm/agriculture/envir/report/de/live_de/fig4.htm)


In den meisten Mitgliedsstaaten ist die wirtschaftliche Betriebsgröße der auf Rinderzucht spezialisierten Betriebe größer als der Durchschnitt aller Betriebe (Abb. 5).



Abb. 5: Durchschnittliche wirtschaftliche Betriebsgröße der auf Rinder spezialisierten Betriebe in der EU, 1975-1995 (in europäischen Größeneinheiten EGE)

(Quelle: Eurostat http://europa.uu.int/comm/agriculture/envir/report/de/live_de/fig5.htm)


Für EU der 15 Staaten betrug 1995 der EGE (in europäischen Größeneinheiten) 25, 2/3 mehr als die durchschnittliche wirtschaftliche Betriebsgröße aller Betriebe. Dennoch ist die Rinderproduktion nicht so homogen, da die Rinderzucht- und Mastbetriebe meist kleinere wirtschaftliche Betriebsgrößen besitzen als die Milchbetriebe und große Unterschiede hinsichtlich absoluter Zahlen zwischen den Mitgliedsstaaten bestehen. Die wirtschaftliche Betriebsgröße von Milchbetrieben ist generell größer als der nationale Durchschnitt, wobei die der Zucht- und Mastbetriebe meist unter dem Durchschnitt liegen.
2.1.1. EU Milchkühe
Unter den bereits spezialisierten Rinderbetrieben sind die Milchbetriebe diejenigen der größten Spezialisierung. Die Unterschiede zwischen Nord- und Südeuropa sind bemerkenswert. 1995 waren in Finnland und Schweden im Mittel 90% der Betriebe mit Milchkühen spezialisiert, demgegenüber nur 11% in Griechenland (Quelle Eurostat). Innerhalb der Rinderhaltung hat die Milchproduktion schon immer einen besonderen Stellenwert. Normalerweise werden die Kühe im Winter im Stall gehalten, während sie im Sommer auf den Weiden grasen. Somit sollte innerhalb der Betriebe Grünland (Wiesen) sowie andere Futterpflanzen verfügbar sein. Während der letzten 20 Jahre ist die Zahl der Milchkühe drastisch zurückgegangen. Der wichtigste Grund für diese Entwicklung ist nicht die Einführung der Milchquoten, der steigende Milchertrag pro Kuh und die Verbesserung des Tierfutters. Die Abnahme in der EU der 9 Staaten fand hauptsächlich nach 1984 statt (Milchquoteneinführung). Die Abnahme der Milchbetriebe ist beträchtlich größer. Zwischen 1975 und 1985 sind 1,5 Millionen Milchbetriebe in der EU der 9 Staaten verschwunden. Als Folge hiervon stieg die durchschnittliche Anzahl von Milchkühen pro Betrieb stark an. Die Durchschnittszahlen haben sich für die EU der 9 Staaten zwischen 1975 (12 Milchkühe pro Betrieb) und 1995 (30 Milchkühe pro Betrieb) mehr als verdoppelt. Für die EU der 15 Staaten lag der Durchschnitt 1995 bei 23 Milchkühen pro Betrieb. Diese Betriebe haben da sie keinen nomadisierende Viehzucht betrieben in der Regel eine bestimmbare Größe von Land für Futterpflanzen. Innerhalb der letzten 20 Jahre waren aber weder Futterpflanzen und Wiesen/Weiden zur Ernährung der Tiere in ausreichendem Maße vorhanden, noch reichte die landwirtschaftliche Nutzfläche aus, um die ansteigende Menge anfallender Gülle und Tierdung auszubringen. Die Landwirte waren gezwungen mehr Futtermittel zu kaufen, das z.T. importiert werden musste. Generell ist mit einer Erhöhung der Anzahl der Kühe pro Betrieb und pro Hektar angebauter Futterpflanzen eine erhöhte Belastung der Umwelt verbunden, ebenso wie mit einer Erhöhung des Anteils zugekaufter Futtermittel und des Milchertrags. Die Situation stellt sich allerdings zwischen den Mitgliedsstaaten sehr unterschiedlich dar (Karte 1).



Karte 1: Milchkuhdichte - Anzahl von Milchkühen pro Hektar Futterpflanzen

(Quelle: Eurostat http://europa.eu.int/comm/agriculture/envir/report/de/live_de/map1.htm)


Die Daten auf regionaler Ebene zeigen große strukturelle Unterschiede zwischen den Mitgliedsstaaten und ihren Regionen. Natürlich haben diese strukturellen Unterschiede verschiedene Auswirkungen auf Boden, Luft und möglicherweise auf Wasser. In Griechenland befindet sich ein bedeutender Teil der Milchproduktion in Regionen, in denen die Möglichkeit des Futteranbaus aufgrund klimatischer Faktoren stark eingeschränkt ist. Dennoch verursachen diese "hochproduktiven" Milcheinheiten nicht automatisch ein Nitratproblem, da sich große Ackerflächen in der Nähe der Betriebe befinden, um die Gülle und den Tierdung ausbringen zu können (küstennahe Beckenlandschaften, z. B. in der Umgebung von Thessaloniki). Deshalb überschätzt das Dichte-Verhältnis sicherlich die Umweltbelastungen die möglicherweise von der Milchviehhaltung dieser Länder ausgehen und spiegelt nicht die Umweltbelastung wider, die von Milchviehhaltung ausgeht.
Die Masse der Milchproduktion kommt auch hier aus spezialisierten Betrieben. Hier ist der Grad der Spezialisierung, d.h. Betriebe die hauptsächlich Milch produzieren, stark angestiegen.
Während die Anzahl von Betrieben mit Milchkühen in den letzten 20 Jahren um 70% zurückgegangen ist, beträgt der Rückgang für spezialisierte Milchbetriebe "nur" 50%.
1975 waren in der EU der 9 Staaten 36% aller Betriebe mit Milchkühen spezialisiert, 1985 51% und 1995 bereits 62%. Innerhalb der EU 15 liegt der Anteil der spezialisierten Milchbetriebe mit 58% geringer, und reicht von 83% in den Niederlanden bis zu 11% in Griechenland.
Zwischen Nord- und Südeuropa bestehen große Unterschiede hinsichtlich der Menge und der Steigerung der Milchproduktion innerhalb der letzten 20 Jahre. In Mitgliedsstaaten mit intensiver Milchproduktion wie Dänemark, Schweden und den Niederlanden beträgt der durchschnittliche Milchertrag für 1995 6500 kg pro Milchkuh. In Ländern, in denen die Milchproduktion extensiver betrieben wird, wie Griechenland und Irland, liegt der Milchertrag mit 4200 kg pro Milchkuh deutlich niedriger.

 

2.2 Schafe und Ziegen


Ziegen, Schafe und andere Viehhaltung stellen den Teil des Viehhaltungssektors mit nur wenigen Betrieben dar. 1995 wurden in der EU 15 im Rahmen der Strukturerhebung mehr als 107 Millionen Schafe in 845.000 Betrieben gezählt, wobei sich 70% des Tierbestandes, aber nur 56% der Betriebe, in der EU 9 befinden. Nahezu 11 Millionen Ziegen in 436.000 Betrieben wurden in der EU 15 gezählt. Innerhalb der EU 9 liegen weniger als 30% der Betriebe, die lediglich 25% der Ziegen der EU 15 beherbergen. 50% aller Ziegen werden in Griechenland gehalten, 33% in Spanien und Italien. 40% aller Schafe leben im Vereinigten Königreich, weitere 40% in Griechenland, Italien und Spanien.
Innerhalb der letzten 20 Jahre hat sich die Anzahl der Ziegen und Schafe um fast 50% erhöht, während die Zahl der Betriebe beträchtlich gesunken ist: -56% für Ziegen, -19% für Schafe. Die gesamte LF dieser Betriebe, von denen ca. 2/3 als Futterflächen genutzt werden, ist für Schafhaltungsbetriebe gleich geblieben und hat sich für Betriebe mit Ziegen reduziert. Die Zunahme an Tieren fand vor 1993 statt, bevor ein Quotensystem eingeführt wurde. Seit 1993 stabilisiert sich die Tieranzahl für EU 9, EU 10 und EU 12, obwohl die Zahl der Schafhaltungsbetriebe weiterhin sinkt.
Eine mögliche Konsequenz dieser Entwicklung ist ein erhöhter Druck auf die Schaf- und Ziegenhaltungsbetriebe nach 1995. Die durchschnittliche Zahl an Tieren pro Hektar LF kann Auskunft über einen solchen Trend geben. Diese hat sich für Schafhaltungsbetriebe innerhalb der letzten 20 Jahre um 60% und für Ziegenhaltungsbetriebe seit 1989/90 um ca. 30% erhöht. 95% des Anstieges der Schafzahlen waren vor 1993 zu beobachten, die Hälfte davon zwischen 1987 und 1993. Der Anstieg zwischen 1993 und 1995 ist unbedeutend. Für Ziegen liegen Zahlen erst ab 1989/90 vor. Sie zeigen zwischen 1993 und 1995 einen bedeutenden Anstieg, der drei- bis viermal höher liegt als der Anstieg zwischen 1989/90.

 

2.3 Vieheinheiten pro Hektar: ein Umweltindikator auf EU Ebene


Während der siebziger und achtziger Jahre hat die Vergrößerung der Betriebe oftmals zu mehr Tieren pro Betrieb und/oder pro Hektar landwirtschaftlichen Fläche geführt.
Ein geeignetes Instrument die Anzahl an Tieren pro Hektar zu messen stellt die sogenannte Vieheinheit dar, die es ermöglicht Vergleiche zwischen verschiedenen Tierarten durchzuführen und in standardisierter Weise Auskunft über Auswirkungen des gesamten Viehbestandes auf den Boden zu geben.
Die Gesamtzahl der Vieheinheiten pro Hektar ist von Bedeutung, da mit ihr ein Maß zur Verfügung steht, die einen Hinweis auf den Grad der (Über) Nutzung geben kann, da die meisten Umweltprobleme hinsichtlich der tierischen Produktion durch regionale Intensivierung der Viehhaltung verursacht werden. Diese Betriebe liegen oftmals in Hafennähe, wohin das importierte Tierfutter geliefert wird. Die Vieheinheit pro Hektar gibt relativ gut Auskunft über die Gesamtintensität der Viehhaltung (Karte 2).


Karte 2: Viehdichte - gesamte Anzahl an Tieren (LSU) pro Hektar landwirtschaftliche Fläche

(Quelle: Eurostat http://europa.eu.int/comm/agriculture/envir/report/de/live_de/map3.html)

Es sollte beachtet werden, dass ähnliche Zahlen für Vieheinheiten pro Hektar unter Umständen sehr unterschiedliche Umweltbelastungen zur Folge haben können, da diese von der vorherrschenden Tierart und der Art der Bewirtschaftung abhängen. So ist beispielsweise die Eutrophierung durch hohe Stickstoff- und Phosphatgehalte im Wasser oftmals in Regionen mit hohem Schweinebesatz (Stallhaltung) zu beobachten, während die Degradierung des Bodens oftmals in Gebieten mit hohen Schaf und Ziegenzahlen (Weidehaltung) auftritt.


3 Viehwirtschaft in Griechenland vor dem EU Beitritt

Die geringe Graswüchsigkeit des Klimas bedingt, dass der Viehhaltung in Griechenland insgesamt eine geringe Bedeutung im Rahmen der Landwirtschaft zukam und noch zukommt. Die Arten des gehaltenen Viehs verteilten sich wie fogt:

Tabelle 2: Viehbestand 1961 - 1972

(Quelle: verändert nach Friedrich Sauerwein; in Hirt: Griechenland, 1976 Seite 71)

Tabelle 3: Erträge aus der Viehwirtschaft 1961 - 1972

(Quelle: verändert nach Friedrich Sauerwein; in Hirt: Griechenland, 1976 Seite 71)

Rinder:
Die Zahl der Rinder, sowohl der Fleisch- wie Milchrinder, sank im Zeitraum zwischen 1971 und 1981. Davor hatte sie eine relativ stabile Zahl (siehe Tabelle Viehbestand 1961 - 1972).
Die Rinderhaltung erhöhte jedoch durch Einkreuzung und Einführung neuer Rassen ihre Produktivität( siehe Tabelle 3 und Teil 2 EU Viehhaltung). Sie reicht aber bis heute noch nicht aus, um den Milch- und Rindfleischbedarf Griechenlands zu decken, so dass weiterhin Importe notwendig blieben und bleiben.
Auf den mageren Weiden sah man früher meist ebenso magere Kühe. Butter aus Kuhmilch war deshalb in Griechenland früher (bis zur Öffnung der Grenzen für EG Produkte) weitgehend unbekannt.

Ziegen und Schafe:
Unter den Arten des gehaltenen Nutzviehs dominierten und dominieren nach Zahl und wirtschaftlicher Bedeutung Schafe und Ziegen. 1982 wurden in Griechenland ca. 8,3 Mio. Schafe und halb soviel Ziegen gezählt. Die Schaf- und Ziegenhaltung gerät insbesondere im Bergland nicht selten in Konflikt mit der Forstwirtschaft, da vor allen. Ziegen Wiederaufforstungsmaßnahmen leicht zunichte machen können.

Schweine und Hühner:
Schweine und Hühner spielten für den betrachteten Zeitraum eine wichtige Rolle für die bäuerliche Eigenversorgung und für den heimischen Markt. Die Zahl der Hühner blieb im Zeitraum 1972 bis 1982 etwa konstant, die der Schweine verdoppelte sich. Im Zeitraum 1961 - 1972 (siehe Tabelle Viehbestand 1961 - 1972) war auch die Anzahl der Schweine etwa konstant.

Pferde, Esel und Maultiere:
Die immer noch große Zahl von Pferden, Eseln und Maultieren für den betrachteten Zeitraum war Ausdruck für die geringe Mechanisierung der landwirtschaftlichen Betriebe und für die vor allen. in den Bergländern schlechten Wegeverhältnisse und mangelhafte Erschließung der - unbereinigten - Fluren durch Feldwege, die tierische Zug- und Tragkraft notwendig mach(t)en. Auch bei dem Zug- und Tragvieh ist jedoch eine mit der wachsenden Mechanisierung und mit der Aufgabe der Landwirtschaft in den Gebirgsregionen verbundene kontinuierliche Verringerung des Bestandes zu konstatieren.

(Daten für Kapitel 3. sofern nicht aus Hirt aus: Cay Lienau, Griechenland,1989)


4 Arten der Haltung von Schafen und Ziegen in Griechenland

Nach An der Haltung muss bei Schafen und Ziegen zwischen ortsfester (stationärer) und nicht oder nur teilweise ortsfester (nomadischer, transhumanter) Haltung bzw. zwischen Nah- und Fernweidewirtschaft unterschieden werden. Letztere spielt immer noch eine wichtige Rolle, auch wenn sie in den letzten Jahren an Bedeutung verlor.

4.1 ortsfeste Haltung

Bei der ortsfesten Haltung werden die Tiere entweder in Herden oder als Einzeltiere in Ställen und auf hausnahen Weiden der Betriebe gehalten.
Die Herden können Eigentum einer - oftmals sesshaft gewordenen - (Wander-)Hirtenfamilie sein, die von der Herde lebt und sie gegen Entgelt auf Gemeindeland weidet, oder aber sich aus verschiedenen Bauern gehörenden Tieren zusammensetzen, die von einem gemeinsam bezahlten Hirten betreut -werden. Als Weide dienen zur Gemeinde gehörende Allmendflächen, Brachflächen und abgeerntete Felder (Stoppelweide) der Flur. Je nach Gegebenheiten werden oft auch Weidegebiete benachbarter Gemeinden mitbenutzt. Die ortsfest gehaltenen Herden sind meist kleiner als die Herden von Wanderhirten.

4.2 Fernweidewirtschaft

Bei der in der Statistik als „nomadika" bezeichneten Fernweidewirtschaft lassen sich zwei Formen unterscheiden, die sich zwar im äußeren Erscheinungsbild ähneln, ihrer Natur nach jedoch unterscheiden. Es ist einmal die sog. Kalyviawirtschaft, von Beuermann (1967) als mediterrane Almwirtschaft bezeichnet, zum anderen eine aus nomadischer Weidewirtschaft hervorgegangene Form mit heute weitgehend festen, jedoch gewöhnlich weit auseinanderliegenden Sommer- und Winterweideplätzen.

4.2.1 Kalyviawirtschaft

Kalyviawirtschaft bezeichnet eine Viehwirtschaftsform, bei der die Herden zwar auf weit voneinander entfernten Plätzen geweidet werden, jedoch an ein Stammdorf im Gebirge gebunden sind. Hier besitzen die Herdeneigentümer Ackerland und ihren festen Wohnsitz. Die Herden werden meist von Familienmitgliedern betreut. Während die Sommerweideplätze im Hochgebirge liegen', wo die Hirten in einfachen Steinhütten hausen, befinden sich die Winterweideplätze in den niedrigen Regionen in der Ebene, am Rande der Beckenlandschaften und am Rande des Hügelland.
Auf dem Weg von den Sommer- zu den Winterweideplätzen und umgekehlt wird dann die Herde für einige Zeit in der Nähe der Stammsiedlung auf der Stoppel, Brachland und anderen zur Verfügung stehenden Flächen geweidet.
In einem Stammdorf namens Arachova wenige Kilometer von Delphi entfernt entwickelte sich auf der Grundlage der Wollweberei, die wiederum in der Schafhaltung ihre Basis hatte.

4.2.2 Fernweidewirtschaft ohne Stammdorf der Sarakatsanen und der Aromunen

Im Gegensatz zur Kalyviawirtschaft ist die nomadische Fernweidewirtschaft bzw. die aus ihr hervorgegangene Form der Fernweidewirtschaft nicht eigentlich an ein Stammdorf gebunden, auch wenn die Wanderhirten heute ein festes Dorf besitzen. Die Wanderungen vollziehen sich im Familienverband. Sie wird von zwei Volksgruppen betrieben, den griechisch sprechenden Sarakatsanen und den romanisch sprechenden Aromunen, die sich beide durch eine eigene Volkskultur auszeichnen .
Ihre Winterweideplätze liegen in den Becken und Küstenebenen, ihre Sommerweidegebiete in den Gebirgen, wo sie in einfachen Hütten aus Schilf und Reisig hausten, die heute größerenteils durch feste Bauten ersetzt worden sind. Tagelange Wanderungen zwischen den Winter- und Sommerweideplätzen wurden früher in vielen Tagesmärschen bewältigt. Heute geschieht dies per Lkw. Wieweit die Küstenebenen früher von der Wanderweidewirtschaft beherrscht waren, lässt sich noch an den vielen mit -ika endenden Ortsnamen ablesen, Ortsnamen, die eine saisonale Siedlung bezeichnen, die zu einer Stammsiedlung gehört
Viele Landwirte in den Ebenen bauen bereits gegen Entgelt für die Wanderhirten Futterpflanzen an. Dort, wo noch die traditionellen Weidegebiete bestehen, wie im Becken von loannina, kann man im Winter zahlreiche Hirten mit ihren Herden sehen, die von den Gemeinden Weiderechte für diese Zeit erwerben. Die Regierung fördert die Sesshaftmachung der Wanderhirten, zumindest ihre feste Behausung bei den Weideplätzen.

4.2.3 Sesshaftwerdung

Während die ethnisch verschiedenen Gruppen der Aromunen und Sarakatsanen noch im 17. und 18. Jh. weitgehend die gleiche nomadische Lebensweise führten, kam es bei den Aromunen bereits im 19. Jh. und früher zum Sesshaftwerden in den Sommerweidegebieten der Gebirge, dann auch in den Winterweidegebieten. Es entstanden jene aus festen Häusern bestehenden Gebirgsdörfer im nördlichen Pindos. Maßgeblich dazu beigetragen hatte das sich bei den Aromunen entwickelnde Handwerk (Silberschmiederei, Weberei) und der von ihnen betriebene Fernhandel, die feste Ansiedlung verlangten. Die Sesshaftwerdung der Sarakatsanen erfolgte im allgemeinen erst nach dem Zweiten Weltkrieg.

4.2.4 Gründe für den Rückgang der Fernweidewirtschaft

Die Gründe für den Rückgang der Fernweidewirtschaft in den vergangenen 50 Jahren liegen v. a. in der politischen Geschichte der jüngeren Vergangenheit. Mit dem Auseinanderbrechen der osmanischen Herrschaft in Südosteuropa, den Grenzziehungen in deren Gefolge und restriktiven Maßnahmen, wie dem Zwang für die Aromunen, sich zu einer Nationalität zu bekennen, Abgaben bei Grenzüberschreitung und strikter Reglementierung der Wanderwege und Weideplätze, wurde die Fernweidewirtschaft empfindlich gestört. Das gilt um so mehr für die Zeit nach 1945, wo die Grenzen zu den sozialistischen Ländern für Wanderhirten praktisch undurchlässig wurden. Das machte eine Verlegung der Weideplätze und damit Wanderwege notwendig, was sich jedoch nur begrenzt als möglich erwies, da gerade die Winterweideplätze stark geschrumpft waren. Hinzu kamen die Kriegsverluste, die nicht nur den Menschen starke Verluste beifügten, sondern die Herden oft so stark dezimierten, dass sie nicht mehr regenerationsfähig waren.

4.2.5 Exkurs: Sarakatsanen im Bürgerkrieg ab 1915

Die Sarakatsanen als traditionell konservative Bevölkerungsgruppe gerieten im griechischen Bürgerkrieg fast zwangsläufig mit den kommunistischen Partisanen, die von ihnen Unterstützung forderten, in Konflikt, was blutige Auseinandersetzungen (die Sarakatsanen wurden vielfach durch Waffenlieferungen der Regierung unterstützt), Rückzug aus den unsicheren Gebirgszonen und ihre Sesshaftwerdung in den Dörfern und Städten der Ebenen beschleunigte. War der Bürgerkrieg auslösender Faktor für die Sesshaftwerdung, so bewirkte die zivilisatorische Entwicklung danach, dass die Entscheidung nicht mehr rückgängig gemacht wurde. Die Annehmlichkeiten eines Lebens in festen Siedlungen, die Schulpflicht und Wertigkeit der Schulbildung im Bewusstsein der Menschen, Möglichkeiten zur Inanspruchnahme sozialer Dienste, Wunsch nach einem geselligen Leben, Versorgung mit Lebensmitteln und anderes standen einer Rückkehr zur alten Lebensform entgegen. Das bedeutete zugleich einen Rückgang der Volkstradition, welche die Sarakatsanen über Jahrhunderte eigenständiger Entwicklung ausgebildet hatten.

 

5 Auswirkungen der Viehwirtschaft auf Pflanzen und Böden

Die Landschaft Griechenlands wird generell durch hohe Erosionsraten geprägt. Die hohen Erosionsraten finden in den ökologischen Bedingungen eine Voraussetzung, die zumeist erst durch menschlichen Einfluss (unter anderen die Weidewirtschaft) voll wirksam werden konnte. Weit verbreitet sind darum Rohböden. Es sind verstümmelte oder zerstörte Bodenprofile, deren Erneuerung durch den ständig wieder erfolgenden Abtrag verhindert wird
Größte Verbreitung haben in Griechenland Böden, die aus Kalkstein hervorgegangen sind. Gemeinsam ist ihnen eine mehr oder weniger starke alkalische Reaktion. An den Standorten, an denen steile Felshänge Pflanzenwuchs kaum ermöglichen und einmal gebildete Humusansammlungen rasch fortgeschwemmt oder weggeweht werden, findet man im Initialstadien der Bodenbildung oft Rohböden ,bzw. das durch Bodenbildung noch kaum verändert Ausgangsgestein. Beweidung förderte die Bildung solcher Böden, die sich nur schwer wieder bewalden lassen.
Unter den klimatischen Bedingungen trockener, warmer Sommer und feuchter Winter hat jede Form von Vegetationszerstörung in hängigem Gelände für die Böden verheerende Folgen. Sie werden bei fehlender oder nur lückenhafter Vegetationsdecke leicht abgeschwemmt. Da die Regenerationszeiten außerordentlich lang sind, bilden sich neue Böden nur in sehr langen Zeiträumen und werden schon während ihrer Bildung immer (großteils durch menschliches Einwirken durch Beweidung) wieder gestört. (Viele gegenwärtige Böden sind fossil, d. h. das Produkt vergangener Bodenbildungsprozesse unter anderen Klimabedingungen)
Das jahrtausendelange Wirken des Menschen in diesem Raum, die bis heute betriebene Fernweidewirtschaft und der in großem Umfang durchgeführte Holzeinschlag bewirkten bereits eine sehr starke Degradierung der Böden. Der enorme Holzbedarf für Schiff- und Hausbau, Geräte aller Art, als Brennmaterial und für vieles andere führte zu einer fortschreitenden Abholzung der Wälder und Degradierung der Bodenkrume. Schaf- und Ziegenweide taten ein übriges, um ein Wiederaufkommen des Waldes zu bremsen und damit die Bodenerosion zu erhöhen.
Kaum einzuschätzen ist auch die Bedeutung von Waldbränden, die unter den mediterranen Klimabedingungen verheerende Schäden anrichten können. Vor allen Hirten legen solche Brände, um die offene Weidefläche zu vergrößern.
Ursachen sind nicht nur Waldvernichtung durch Holzeinschlag und Brand in einem Umfang, der durch Aufforstung bislang kaum wettgemacht werden konnte, sondern auch die Nutzungsaufgabe von Land im Gebirge bei zumeist bestehenbleibender Beweidung mit Schafe und Ziegen, von denen ein beträchtlicher Teil in Fernweidewirtschaft gehalten wird. Die Aufgabe der Ackernutzung bedeutet zumeist, dass die Bodenkrume offen daliegt. Aufgrund der Beweidung entwickelt sich eine schützende Vegetationsdecke nur langsam. Der Zerfall von Ackerterrassen und anderer Schutzeinrichtungen führt dazu, dass Starkregen voll ihre Wirkung entfalten können.

Die Vegetationsverhältnisse Griechenlands sind Ausdruck insbesondere der klimatischen Bedingungen. Sie werden allerdings in unterschiedlichem Maße variiert durch die geologisch - petrologischen Gegebenheiten, Böden, Oberflächengestalt, aber auch menschliche Einwirkungen.
Als natürliche Vegetation muss man fast überall in Griechenland Wald annehmen (siehe oben). Er ist unter ungestörten mediterranen Klimabedingungen dicht geschlossen. An flachgründige degradierte Böden und langwährende Übernutzung passt er sich durch einen reicheren Pflanzenunterwuchs an, als er in Wäldern mit dichtem Kronenschluss möglich ist.
Schon in der Antike hatte die natürliche Vegetation durch Umwandlung in Kulturland, Weidewirtschaft und Holzeinschlag für Haus- und Schiffbau,/ Brennmaterial und andere Zwecke eine mehr oder weniger starke Veränderung erfahren.
In den höheren und für den Menschen schwerer erreichbaren Gebirgsgebieten des Landes stehen auch heute noch z. T. ausgedehnte winterkahle Wälder und Nadelwälder.
Wo dieser Wald nicht durch Umwandlung in Ackerland und Weideland vollkommen verschwand, traten an seine Stelle durch Degradation oftmals Macchie bzw. Pseudomacchie und Phrygana.
Unter Macchie versteht man jene immergrünen Buschformationen, die zwischen l m und 5 m hoch sind Macchien sind immergrüne Degradationsstadien immergrüner Wälder, Pseudomacchien immergrüne oder teilimmergrüne Degradationsstadien sommergrüner, winterkahler Wälder. Degradationsformen der Macchie bzw. Pseudomacchie und Phrygana weien durch die Viehhaltung oft folgende Gestalt auf: Zwischen den durch Viehverbiss oft halbkugelförmigen, stacheligen oder dornigen Sträuchern schimmern das kahle Gestein oder der rote Boden hindurch, den im Frühjahr einjährige Pflanzen bedecken und der Phrygana Farbe verleihen. Unter den Zwergsträuchern, welche die Phrygana aufbauen, befinden sich besonders viele aromatische Arten, wie Thymian, Lavendel, die einen starken Duft aufgrund eingelagerter ätherischer Öle ausströmen. Die geringere Bodenbedeckung schafft ein anderes Kleinklima mit schärferen Temperaturgegensätzen zwischen Tag und Nacht.
In der Nähe von Siedlungen, wo die Beanspruchung von Boden und Vegetation durch Mensch und Vieh besonders stark ist, sind es oft nur noch Affodillen, Euphorbien und Disteln, die auf den überall durchschimmernden; roten Kalkverwitterungsböden gedeihen, während Holzgewächse ganz fehlen.
Die Fernweidewirtschaft ging in den vergangenen Jahrzehnten ständig zurück, v. a. bedingt durch die intensivierte ackerbauliche Nutzung der Ebenen, die eine Winterweide nicht mehr zulässt. So werden die Herden auf die weniger günstigen hügeligen Randbereiche verdrängt, wo es häufig aufgrund nicht ausreichender Weidefläche zur Überweidung mit den oben beschriebenen Folgen kommt.

 

6 Literatur


-BEUERMANN (1967):Fernweidewirtschaft in Südeuropa

-LESER, H. (Hrsg.) (1997): Wörterbuch Allgemeine Geographie. Westermann, München.

-LIENAU, C. (1989): Griechenland.

-MUNTZARIS, I. (1986): Strukturentwicklung in der griechischen Landwirtschaft nach dem Beitritt in die EU. Probleme und Perspektiven. Diplomarbeit Marburg.

-ROTHER, K. (1993): Der Mittelmeerraum. Teubner, Stuttgart.

-SAUERWEIN, F. (1976) Griechenland. Reihe Hirt´s Studienbücher Geographie

-SAUERWEIN, F. (1983): Landwirtschaft in Griechenland. Entwicklungen, Probleme, Tendenzen
bei einem jungen mediterranen Partner der EG. In: Zeitschrift für Agrargeographie, Band l, S.
321-350.

Internetquelle:

http://www.europa.eu.int.comm/agriculture/envir/report/de/live_de/report.htm

 

 

 

 

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