Traditionelle und heutige Viehwirtschaft in Griechenland und Folgen
für Vegetation und Böden
Referent: Martin Fischer
1 Einleitung
2 Allgemeine Entwicklungen in der EU in der Viehwirtschaft
2.1 Rinderzucht: Ein exemplarischer Vergleich zwischen „Großtendenzen“
in der EU und der speziellen Entwicklung in Griechenland
2.1.1 EU Milchkühe
2.2 Schafe und Ziegen
2.3 Vieheinheiten pro Hektar: ein Umweltindikator auf EU Ebene
3 Viehwirtschaft in Griechenland vor dem EU - Beitritt
4 Arten der Haltung von Schafen und Zeigen in Griechenland
4.1 ortsfeste Haltung
4.2 Fernweidewirtschaft
4.2.1 Kalyviawirtschaft
4.2.2 Fernweidewirtschaft ohne Stammdorf der Sarakatsanen und der Aromunen
4.2.3 Sesshaftwerdung der Sarakatsanen und der Aromunen
4.2.4 Gründe für den Rückgang der Fernweidewirtschaft
4.2.5 Exkurs: Sarakatsanen im Bürgerkrieg, ab 1915
5 Auswirkung der Viehwirtschaft auf Vegetation und Böden
6 Literatur

1 Einleitung
Das folgende Referat soll über die viehwirtschaftlichen Strukturen
im Mittelmeerraum berichten, insbesondere Griechenlands. Die Viehwirtschaft
in Griechenland wird überwiegend als extensive Weidewirtschaft (teilweise
als Fernweidewirtschaft) betrieben Durch den mageren Bewuchs der Bergweiden
ist oft nur Schaf- und Ziegenhaltung möglich. Die „Kleinbauern“
und Hirten waren früher vornehmlich auf Eigenversorgung eingestellt.
Seit dem Eintritt Griechenlands in die EU (1981) untersteht auch seine
Viehwirtschaft dem EU Agrarregime und es ist eine Hinwendung zu anderen
Tierarten (zumeist Kühe / Rinder) und zu einer teilweise intensiveren
Wirtschaftsform erkennbar. Ein Vergleich zwischen Griechenland und dem
EU Standards und den Entwicklungen soll helfen die besondere Charakteristik
der griechischen Viehwirtschaft zu erkennen und die Frage beantworten
helfen inwieweit die „Rückständigkeit“ der griechischen
Viehwirtschaft (im Vergleich zu der Produktivität der Viehzucht in
mitteleuropäischen Ländern) bisher beseitigt wurde. Dabei wird
besonderst auf die Rinderhaltung und die Schaf und Ziegenhaltung abgezielt.
Im weiteren soll dann ein Blick auf die generelle Entwicklung in der griechischen
Viehwirtschaft vor dem EU - Beitritt Griechenlands gemacht werden. Erwähnt
werden dabei auch Tiere und deren Produkte, die im Vergleich EU- Griechenland
vernachlässigt wurden. Weiterhin werden typische Formen, Merkmale
und Strukturen der Viehwirtschaft in Griechenland und deren kulturelle
Ausprägung ( Fernweidewirtschaft durch verschiedene ethnisch kulturelle
Gruppen) in ihren zeitlichen Entwicklungsverlauf erläutert. Einige
davon eingehender. Abschließend soll auf die Auswirkungen eingegangen
werden, die Viehhaltung auf die Böden und die Vegetation hat.
2 Allgemeine Entwicklungen in der EU in der Viehwirtschaft
In den letzten zwanzig Jahren spielte die Produktion tierischer Erzeugnisse
innerhalb der Landwirtschaft eine Hauptrolle. Trotz fundamentaler Veränderungen,
denen die Landwirte ausgesetzt sind, behält sie auch weiterhin einen
wichtigen Stellenwert. Dies ist insbesondere in Zentral- und Nordeuropa
zu beobachten, wo kleine, extensiv wirtschaftende Betriebe durch moderne
und spezialisierte Intensivbetriebe ersetzt wurden.
Zusammen mit der Nutzung verbesserter Tiernahrungsmittel und der Einführung
spezialisierter Tierarten hat diese Entwicklung zu großem Wachstum
in Produktion und Produktivität des Sektors der tierischen Erzeugung
geführt. Allerdings sind damit auch neue Umweltbelastungen verbunden.
Intensivierung, Vergrößerung und Spezialisierung sind die vorherrschenden
Entwicklungen in der Viehwirtschaft in der EU. Gemeinsam mit dem Ackerbau
stellt die Viehzucht schon immer einen wichtigen und traditionellen Teil
der Landwirtschaft dar. Die Anzahl der auf Viehzucht spezialisierten Betriebe
ist in den letzten 20 Jahren um 1/3 gesunken. Die Gesamtzahl aller landwirtschaftlichen
Betriebe reduzierte sich um über 25%.
1995 repräsentierten die 2,1 Millionen Betriebe, die sich innerhalb
der EU auf Viehzucht spezialisierten, nur 28% aller landwirtschaftlicher
Betriebe.
Die gesamte landwirtschaftliche Nutzfläche, die von diesen spezialisierten
Betrieben eingenommen wird, sank innerhalb des gleichen Zeitraums allerdings
nur um 6%.
1995 beanspruchten sie etwas weniger als die Hälfte der landwirtschaftlichen
Nutzfläche der EU.
Diese Entwicklung lässt den Trend dieser spezialisierten Viehzuchtbetriebe
der letzten 20 Jahre deutlich erkennen:
eine Vergrößerung der Betriebsflächen, d.h. weniger, aber
größere Betriebe. Die durchschnittliche Nutzfläche dieser
Betriebe hat sich in der EU um ca. 40% erhöht und erreichte 1995
28,5 ha.
Die auf Weidevieh spezialisierten Betriebe (hauptsächlich Rinder)
tragen den wichtigsten Teil des Beitrages aller auf Viehwirtschaft spezialisierten
Betriebe bei. Dieser Anteil steigt zeitgleich mit dem der auf Schweine-
und Geflügelzucht spezialisierten Betriebe. Die Gemischtbetriebe
verlieren an Bedeutung.
1995 waren nur 9% der auf Viehwirtschaft spezialisierten Betriebe in weiteren
Arten der Viehwirtschaft aktiv.
1975 betrug dieser Anteil noch 22%.
Mit der Intensivierung der Landwirtschaft geht eine verstärkte Belastung
der Umwelt einher. Die Viehwirtschaft wird in zunehmenden Maß von
spezialisierten und teilweise extrem spezialisierten Betrieben und mit
zunehmendem Einsatz intensiver landwirtschaftlicher Bewirtschaftungspraktiken
durchgeführt. In Abhängigkeit von der genutzten landwirtschaftlichen
Fläche und der zur Handhabung der Gülle eingesetzten Geräte,
können die Umweltauswirkungen problematisch sein. Eine steigende
Spezialisierung kann beispielsweise zu einer Erhöhung der Gülleausbringung
auf dafür nicht geeigneten Betriebsflächen führen. Im Laufe
der Jahre kann so ein Nitrat- oder Phospatspeicher entstehen. Die steigende
Zahl von Tieren ist eine Hauptquelle für Ammoniakemissionen, die
zu Versauerung des Boden und der Gewässer sowie zu Waldschäden
durch sauren Regen beitragen. Landwirtschaftliche Praktiken, die auf Nachhaltigkeit
ausgerichtet sind nicht notwendigerweise mit negativen Auswirkungen auf
den Boden verbunden.
2.1 Rinderzucht: Ein exemplarischer Vergleich zwischen „Großtendenzen“
in der EU und der speziellen Entwicklung in Griechenland
Die Rinderhaltung ist der traditionelle Sektor in der Viehwirtschaft.

Abb. 1: Betriebsspezialisierung der tierischen Produktion: prozentualer
Anteil der Spezialisierung, 1975-1995
(Quelle: Eurostat http://europa.eu.int/comm/agriculture/envir/report/de/live_de/fig1.htm
)
Rinder werden entweder zur Milch- oder Fleischproduktion gehalten: Die
verstärkte Mechanisierung und Automatisierung hat zu bedeutenden
strukturellen Veränderungen im Rindersektor geführt. Die Abnahme
der Zahl der Betriebe bei einer etwa gleichbleibenden Anzahl von Rindern
auf EU Ebene (80 Mio. in EU mit 9 Staaten in 1978 und 85 Mio. in EU 15
mit Staaten in 1995) hat zu einem Anstieg der Rinder pro Betrieb geführt
(Abb. 2).

Abb. 2: Betriebe mit Rindern in der EU 1975 – 1995 (in Mio.)
(Quelle: Eurostat http://europa.eu.int/comm/agriculture/envir/report/de/live_de/fig2.htm)
In den meisten Mitgliedsstaaten hat sich die Anzahl der Rinder pro Betrieb
mit Rindern in den letzten 20 Jahren zumindest verdoppelt. Dieser Anstieg,
gemessen in Vieheinheiten, spiegelt das Anwachsen der Viehzahlen in den
meisten Mitgliedsländern wider, in denen die Struktur der Viehbestände
der Betriebe mehr oder weniger gleich geblieben ist. In Belgien, Frankreich
und den Niederlanden hingegen gewinnt der Anteil an jungen Rindern an
Bedeutung. Die Anzahl an Tieren pro Betrieb steigt.

Tab. 1: Entwicklung der Rinderbestände zwischen 1975 und 1995
(Quelle: Eurostat http://europa.eu.int/comm/agriculture/envir/report/de/live_de/tab1.htm)
Zwischen Nord- und Südeuropa besteht ein beträchtlicher Unterschied
in der durchschnittlichen Anzahl der Rinder pro Betrieb. Beispielsweise
lag 1995 der Durchschnitt für das Vereinigte Königreich mit
87 Rindern pro Betrieb fast sechsmal höher als der für Griechenland
(13 Rinder pro Betrieb).
Die landwirtschaftliche Nutzfläche der Rinderhaltungsbetriebe ist
seit 1975 in der EU gesunken (1975: 25 Mio. ha für EU 9 und 1995:
24 Mio. ha für EU 15). Die Zahl der Rinder pro LF hingegen zeigt
keinen so deutlichen Trend (Abb. 3)

Abb. 3: Rinder, Anzahl pro 100 ha Landwirtschaftsfläche, 1975-1995
(Quelle: Eurostat http://europa.eu.int/comm/agriculture/envir/report/de/live_de/fig3.htm)
Zwischen 1975 und 1985 war generell ein konstanter Anstieg zu beobachten,
der sich nach 1985 verlangsamte bzw. stoppte. Wahrscheinlich ist dies
auf die Einführung der Milchquoten 1984 zurückzuführen.
Diese Maßnahme hatte in den Mitgliedsstaaten unterschiedliche Folgen.
So stieg im Gegensatz zum allgemeinen Trend in Griechenland und Italien
die Rinderzahl an.
Landwirtschaftliche Betriebe, die sich auf Rinder spezialisiert haben,
stellen den extremsten Typ der Viehhaltung dar. 1995 waren 52% aller Viehbetriebe
der EU 15 auf Rinder spezialisiert, von denen 59% Weideviehbetriebe waren.
53% der Rinderbetriebe waren 1995 spezialisiert (61% in EU 9). Allerdings
bestehen zwischen den einzelnen Mitgliedsstaaten bedeutende Unterschiede
(Abb. 4)

Abb. 4: Spezialisierungsgrad der Betriebe mit Rindern 1995
(Quelle: Eurostat http://europa.eu.int/comm/agriculture/envir/report/de/live_de/fig4.htm)
In den meisten Mitgliedsstaaten ist die wirtschaftliche Betriebsgröße
der auf Rinderzucht spezialisierten Betriebe größer als der
Durchschnitt aller Betriebe (Abb. 5).
Abb. 5: Durchschnittliche wirtschaftliche Betriebsgröße
der auf Rinder spezialisierten Betriebe in der EU, 1975-1995 (in europäischen
Größeneinheiten EGE)
(Quelle: Eurostat http://europa.uu.int/comm/agriculture/envir/report/de/live_de/fig5.htm)
Für EU der 15 Staaten betrug 1995 der EGE (in europäischen Größeneinheiten)
25, 2/3 mehr als die durchschnittliche wirtschaftliche Betriebsgröße
aller Betriebe. Dennoch ist die Rinderproduktion nicht so homogen, da
die Rinderzucht- und Mastbetriebe meist kleinere wirtschaftliche Betriebsgrößen
besitzen als die Milchbetriebe und große Unterschiede hinsichtlich
absoluter Zahlen zwischen den Mitgliedsstaaten bestehen. Die wirtschaftliche
Betriebsgröße von Milchbetrieben ist generell größer
als der nationale Durchschnitt, wobei die der Zucht- und Mastbetriebe
meist unter dem Durchschnitt liegen.
2.1.1. EU Milchkühe
Unter den bereits spezialisierten Rinderbetrieben sind die Milchbetriebe
diejenigen der größten Spezialisierung. Die Unterschiede zwischen
Nord- und Südeuropa sind bemerkenswert. 1995 waren in Finnland und
Schweden im Mittel 90% der Betriebe mit Milchkühen spezialisiert,
demgegenüber nur 11% in Griechenland (Quelle Eurostat). Innerhalb
der Rinderhaltung hat die Milchproduktion schon immer einen besonderen
Stellenwert. Normalerweise werden die Kühe im Winter im Stall gehalten,
während sie im Sommer auf den Weiden grasen. Somit sollte innerhalb
der Betriebe Grünland (Wiesen) sowie andere Futterpflanzen verfügbar
sein. Während der letzten 20 Jahre ist die Zahl der Milchkühe
drastisch zurückgegangen. Der wichtigste Grund für diese Entwicklung
ist nicht die Einführung der Milchquoten, der steigende Milchertrag
pro Kuh und die Verbesserung des Tierfutters. Die Abnahme in der EU der
9 Staaten fand hauptsächlich nach 1984 statt (Milchquoteneinführung).
Die Abnahme der Milchbetriebe ist beträchtlich größer.
Zwischen 1975 und 1985 sind 1,5 Millionen Milchbetriebe in der EU der
9 Staaten verschwunden. Als Folge hiervon stieg die durchschnittliche
Anzahl von Milchkühen pro Betrieb stark an. Die Durchschnittszahlen
haben sich für die EU der 9 Staaten zwischen 1975 (12 Milchkühe
pro Betrieb) und 1995 (30 Milchkühe pro Betrieb) mehr als verdoppelt.
Für die EU der 15 Staaten lag der Durchschnitt 1995 bei 23 Milchkühen
pro Betrieb. Diese Betriebe haben da sie keinen nomadisierende Viehzucht
betrieben in der Regel eine bestimmbare Größe von Land für
Futterpflanzen. Innerhalb der letzten 20 Jahre waren aber weder Futterpflanzen
und Wiesen/Weiden zur Ernährung der Tiere in ausreichendem Maße
vorhanden, noch reichte die landwirtschaftliche Nutzfläche aus, um
die ansteigende Menge anfallender Gülle und Tierdung auszubringen.
Die Landwirte waren gezwungen mehr Futtermittel zu kaufen, das z.T. importiert
werden musste. Generell ist mit einer Erhöhung der Anzahl der Kühe
pro Betrieb und pro Hektar angebauter Futterpflanzen eine erhöhte
Belastung der Umwelt verbunden, ebenso wie mit einer Erhöhung des
Anteils zugekaufter Futtermittel und des Milchertrags. Die Situation stellt
sich allerdings zwischen den Mitgliedsstaaten sehr unterschiedlich dar
(Karte 1).

Karte 1: Milchkuhdichte - Anzahl von Milchkühen pro Hektar Futterpflanzen
(Quelle: Eurostat http://europa.eu.int/comm/agriculture/envir/report/de/live_de/map1.htm)
Die Daten auf regionaler Ebene zeigen große strukturelle Unterschiede
zwischen den Mitgliedsstaaten und ihren Regionen. Natürlich haben
diese strukturellen Unterschiede verschiedene Auswirkungen auf Boden,
Luft und möglicherweise auf Wasser. In Griechenland befindet sich
ein bedeutender Teil der Milchproduktion in Regionen, in denen die Möglichkeit
des Futteranbaus aufgrund klimatischer Faktoren stark eingeschränkt
ist. Dennoch verursachen diese "hochproduktiven" Milcheinheiten
nicht automatisch ein Nitratproblem, da sich große Ackerflächen
in der Nähe der Betriebe befinden, um die Gülle und den Tierdung
ausbringen zu können (küstennahe Beckenlandschaften, z. B. in
der Umgebung von Thessaloniki). Deshalb überschätzt das Dichte-Verhältnis
sicherlich die Umweltbelastungen die möglicherweise von der Milchviehhaltung
dieser Länder ausgehen und spiegelt nicht die Umweltbelastung wider,
die von Milchviehhaltung ausgeht.
Die Masse der Milchproduktion kommt auch hier aus spezialisierten Betrieben.
Hier ist der Grad der Spezialisierung, d.h. Betriebe die hauptsächlich
Milch produzieren, stark angestiegen.
Während die Anzahl von Betrieben mit Milchkühen in den letzten
20 Jahren um 70% zurückgegangen ist, beträgt der Rückgang
für spezialisierte Milchbetriebe "nur" 50%.
1975 waren in der EU der 9 Staaten 36% aller Betriebe mit Milchkühen
spezialisiert, 1985 51% und 1995 bereits 62%. Innerhalb der EU 15 liegt
der Anteil der spezialisierten Milchbetriebe mit 58% geringer, und reicht
von 83% in den Niederlanden bis zu 11% in Griechenland.
Zwischen Nord- und Südeuropa bestehen große Unterschiede hinsichtlich
der Menge und der Steigerung der Milchproduktion innerhalb der letzten
20 Jahre. In Mitgliedsstaaten mit intensiver Milchproduktion wie Dänemark,
Schweden und den Niederlanden beträgt der durchschnittliche Milchertrag
für 1995 6500 kg pro Milchkuh. In Ländern, in denen die Milchproduktion
extensiver betrieben wird, wie Griechenland und Irland, liegt der Milchertrag
mit 4200 kg pro Milchkuh deutlich niedriger.
2.2 Schafe und Ziegen
Ziegen, Schafe und andere Viehhaltung stellen den Teil des Viehhaltungssektors
mit nur wenigen Betrieben dar. 1995 wurden in der EU 15 im Rahmen der
Strukturerhebung mehr als 107 Millionen Schafe in 845.000 Betrieben gezählt,
wobei sich 70% des Tierbestandes, aber nur 56% der Betriebe, in der EU
9 befinden. Nahezu 11 Millionen Ziegen in 436.000 Betrieben wurden in
der EU 15 gezählt. Innerhalb der EU 9 liegen weniger als 30% der
Betriebe, die lediglich 25% der Ziegen der EU 15 beherbergen. 50% aller
Ziegen werden in Griechenland gehalten, 33% in Spanien und Italien. 40%
aller Schafe leben im Vereinigten Königreich, weitere 40% in Griechenland,
Italien und Spanien.
Innerhalb der letzten 20 Jahre hat sich die Anzahl der Ziegen und Schafe
um fast 50% erhöht, während die Zahl der Betriebe beträchtlich
gesunken ist: -56% für Ziegen, -19% für Schafe. Die gesamte
LF dieser Betriebe, von denen ca. 2/3 als Futterflächen genutzt werden,
ist für Schafhaltungsbetriebe gleich geblieben und hat sich für
Betriebe mit Ziegen reduziert. Die Zunahme an Tieren fand vor 1993 statt,
bevor ein Quotensystem eingeführt wurde. Seit 1993 stabilisiert sich
die Tieranzahl für EU 9, EU 10 und EU 12, obwohl die Zahl der Schafhaltungsbetriebe
weiterhin sinkt.
Eine mögliche Konsequenz dieser Entwicklung ist ein erhöhter
Druck auf die Schaf- und Ziegenhaltungsbetriebe nach 1995. Die durchschnittliche
Zahl an Tieren pro Hektar LF kann Auskunft über einen solchen Trend
geben. Diese hat sich für Schafhaltungsbetriebe innerhalb der letzten
20 Jahre um 60% und für Ziegenhaltungsbetriebe seit 1989/90 um ca.
30% erhöht. 95% des Anstieges der Schafzahlen waren vor 1993 zu beobachten,
die Hälfte davon zwischen 1987 und 1993. Der Anstieg zwischen 1993
und 1995 ist unbedeutend. Für Ziegen liegen Zahlen erst ab 1989/90
vor. Sie zeigen zwischen 1993 und 1995 einen bedeutenden Anstieg, der
drei- bis viermal höher liegt als der Anstieg zwischen 1989/90.
2.3 Vieheinheiten pro Hektar: ein Umweltindikator auf EU Ebene
Während der siebziger und achtziger Jahre hat die Vergrößerung
der Betriebe oftmals zu mehr Tieren pro Betrieb und/oder pro Hektar landwirtschaftlichen
Fläche geführt.
Ein geeignetes Instrument die Anzahl an Tieren pro Hektar zu messen stellt
die sogenannte Vieheinheit dar, die es ermöglicht Vergleiche zwischen
verschiedenen Tierarten durchzuführen und in standardisierter Weise
Auskunft über Auswirkungen des gesamten Viehbestandes auf den Boden
zu geben.
Die Gesamtzahl der Vieheinheiten pro Hektar ist von Bedeutung, da mit
ihr ein Maß zur Verfügung steht, die einen Hinweis auf den
Grad der (Über) Nutzung geben kann, da die meisten Umweltprobleme
hinsichtlich der tierischen Produktion durch regionale Intensivierung
der Viehhaltung verursacht werden. Diese Betriebe liegen oftmals in Hafennähe,
wohin das importierte Tierfutter geliefert wird. Die Vieheinheit pro Hektar
gibt relativ gut Auskunft über die Gesamtintensität der Viehhaltung
(Karte 2).
Karte 2: Viehdichte - gesamte Anzahl an Tieren (LSU) pro Hektar landwirtschaftliche
Fläche
(Quelle: Eurostat http://europa.eu.int/comm/agriculture/envir/report/de/live_de/map3.html)
Es sollte beachtet werden, dass ähnliche Zahlen für Vieheinheiten
pro Hektar unter Umständen sehr unterschiedliche Umweltbelastungen
zur Folge haben können, da diese von der vorherrschenden Tierart
und der Art der Bewirtschaftung abhängen. So ist beispielsweise die
Eutrophierung durch hohe Stickstoff- und Phosphatgehalte im Wasser oftmals
in Regionen mit hohem Schweinebesatz (Stallhaltung) zu beobachten, während
die Degradierung des Bodens oftmals in Gebieten mit hohen Schaf und Ziegenzahlen
(Weidehaltung) auftritt.
3 Viehwirtschaft in Griechenland vor dem EU Beitritt
Die geringe Graswüchsigkeit des Klimas bedingt, dass der Viehhaltung
in Griechenland insgesamt eine geringe Bedeutung im Rahmen der Landwirtschaft
zukam und noch zukommt. Die Arten des gehaltenen Viehs verteilten sich
wie fogt:

Tabelle 2: Viehbestand 1961 - 1972
(Quelle: verändert nach Friedrich Sauerwein; in Hirt: Griechenland,
1976 Seite 71)

Tabelle 3: Erträge aus der Viehwirtschaft 1961 - 1972
(Quelle: verändert nach Friedrich Sauerwein; in Hirt: Griechenland,
1976 Seite 71)
Rinder:
Die Zahl der Rinder, sowohl der Fleisch- wie Milchrinder, sank im Zeitraum
zwischen 1971 und 1981. Davor hatte sie eine relativ stabile Zahl (siehe
Tabelle Viehbestand 1961 - 1972).
Die Rinderhaltung erhöhte jedoch durch Einkreuzung und Einführung
neuer Rassen ihre Produktivität( siehe Tabelle 3 und Teil 2 EU Viehhaltung).
Sie reicht aber bis heute noch nicht aus, um den Milch- und Rindfleischbedarf
Griechenlands zu decken, so dass weiterhin Importe notwendig blieben und
bleiben.
Auf den mageren Weiden sah man früher meist ebenso magere Kühe.
Butter aus Kuhmilch war deshalb in Griechenland früher (bis zur Öffnung
der Grenzen für EG Produkte) weitgehend unbekannt.
Ziegen und Schafe:
Unter den Arten des gehaltenen Nutzviehs dominierten und dominieren nach
Zahl und wirtschaftlicher Bedeutung Schafe und Ziegen. 1982 wurden in
Griechenland ca. 8,3 Mio. Schafe und halb soviel Ziegen gezählt.
Die Schaf- und Ziegenhaltung gerät insbesondere im Bergland nicht
selten in Konflikt mit der Forstwirtschaft, da vor allen. Ziegen Wiederaufforstungsmaßnahmen
leicht zunichte machen können.
Schweine und Hühner:
Schweine und Hühner spielten für den betrachteten Zeitraum eine
wichtige Rolle für die bäuerliche Eigenversorgung und für
den heimischen Markt. Die Zahl der Hühner blieb im Zeitraum 1972
bis 1982 etwa konstant, die der Schweine verdoppelte sich. Im Zeitraum
1961 - 1972 (siehe Tabelle Viehbestand 1961 - 1972) war auch die Anzahl
der Schweine etwa konstant.
Pferde, Esel und Maultiere:
Die immer noch große Zahl von Pferden, Eseln und Maultieren für
den betrachteten Zeitraum war Ausdruck für die geringe Mechanisierung
der landwirtschaftlichen Betriebe und für die vor allen. in den Bergländern
schlechten Wegeverhältnisse und mangelhafte Erschließung der
- unbereinigten - Fluren durch Feldwege, die tierische Zug- und Tragkraft
notwendig mach(t)en. Auch bei dem Zug- und Tragvieh ist jedoch eine mit
der wachsenden Mechanisierung und mit der Aufgabe der Landwirtschaft in
den Gebirgsregionen verbundene kontinuierliche Verringerung des Bestandes
zu konstatieren.
(Daten für Kapitel 3. sofern nicht aus Hirt aus: Cay Lienau, Griechenland,1989)
4 Arten der Haltung von Schafen und Ziegen in Griechenland
Nach An der Haltung muss bei Schafen und Ziegen zwischen ortsfester (stationärer)
und nicht oder nur teilweise ortsfester (nomadischer, transhumanter) Haltung
bzw. zwischen Nah- und Fernweidewirtschaft unterschieden werden. Letztere
spielt immer noch eine wichtige Rolle, auch wenn sie in den letzten Jahren
an Bedeutung verlor.
4.1 ortsfeste Haltung
Bei der ortsfesten Haltung werden die Tiere entweder in Herden oder als
Einzeltiere in Ställen und auf hausnahen Weiden der Betriebe gehalten.
Die Herden können Eigentum einer - oftmals sesshaft gewordenen -
(Wander-)Hirtenfamilie sein, die von der Herde lebt und sie gegen Entgelt
auf Gemeindeland weidet, oder aber sich aus verschiedenen Bauern gehörenden
Tieren zusammensetzen, die von einem gemeinsam bezahlten Hirten betreut
-werden. Als Weide dienen zur Gemeinde gehörende Allmendflächen,
Brachflächen und abgeerntete Felder (Stoppelweide) der Flur. Je nach
Gegebenheiten werden oft auch Weidegebiete benachbarter Gemeinden mitbenutzt.
Die ortsfest gehaltenen Herden sind meist kleiner als die Herden von Wanderhirten.
4.2 Fernweidewirtschaft
Bei der in der Statistik als „nomadika" bezeichneten Fernweidewirtschaft
lassen sich zwei Formen unterscheiden, die sich zwar im äußeren
Erscheinungsbild ähneln, ihrer Natur nach jedoch unterscheiden. Es
ist einmal die sog. Kalyviawirtschaft, von Beuermann (1967) als mediterrane
Almwirtschaft bezeichnet, zum anderen eine aus nomadischer Weidewirtschaft
hervorgegangene Form mit heute weitgehend festen, jedoch gewöhnlich
weit auseinanderliegenden Sommer- und Winterweideplätzen.
4.2.1 Kalyviawirtschaft
Kalyviawirtschaft bezeichnet eine Viehwirtschaftsform, bei der die Herden
zwar auf weit voneinander entfernten Plätzen geweidet werden, jedoch
an ein Stammdorf im Gebirge gebunden sind. Hier besitzen die Herdeneigentümer
Ackerland und ihren festen Wohnsitz. Die Herden werden meist von Familienmitgliedern
betreut. Während die Sommerweideplätze im Hochgebirge liegen',
wo die Hirten in einfachen Steinhütten hausen, befinden sich die
Winterweideplätze in den niedrigen Regionen in der Ebene, am Rande
der Beckenlandschaften und am Rande des Hügelland.
Auf dem Weg von den Sommer- zu den Winterweideplätzen und umgekehlt
wird dann die Herde für einige Zeit in der Nähe der Stammsiedlung
auf der Stoppel, Brachland und anderen zur Verfügung stehenden Flächen
geweidet.
In einem Stammdorf namens Arachova wenige Kilometer von Delphi entfernt
entwickelte sich auf der Grundlage der Wollweberei, die wiederum in der
Schafhaltung ihre Basis hatte.
4.2.2 Fernweidewirtschaft ohne Stammdorf der Sarakatsanen und der Aromunen
Im Gegensatz zur Kalyviawirtschaft ist die nomadische Fernweidewirtschaft
bzw. die aus ihr hervorgegangene Form der Fernweidewirtschaft nicht eigentlich
an ein Stammdorf gebunden, auch wenn die Wanderhirten heute ein festes
Dorf besitzen. Die Wanderungen vollziehen sich im Familienverband. Sie
wird von zwei Volksgruppen betrieben, den griechisch sprechenden Sarakatsanen
und den romanisch sprechenden Aromunen, die sich beide durch eine eigene
Volkskultur auszeichnen .
Ihre Winterweideplätze liegen in den Becken und Küstenebenen,
ihre Sommerweidegebiete in den Gebirgen, wo sie in einfachen Hütten
aus Schilf und Reisig hausten, die heute größerenteils durch
feste Bauten ersetzt worden sind. Tagelange Wanderungen zwischen den Winter-
und Sommerweideplätzen wurden früher in vielen Tagesmärschen
bewältigt. Heute geschieht dies per Lkw. Wieweit die Küstenebenen
früher von der Wanderweidewirtschaft beherrscht waren, lässt
sich noch an den vielen mit -ika endenden Ortsnamen ablesen, Ortsnamen,
die eine saisonale Siedlung bezeichnen, die zu einer Stammsiedlung gehört
Viele Landwirte in den Ebenen bauen bereits gegen Entgelt für die
Wanderhirten Futterpflanzen an. Dort, wo noch die traditionellen Weidegebiete
bestehen, wie im Becken von loannina, kann man im Winter zahlreiche Hirten
mit ihren Herden sehen, die von den Gemeinden Weiderechte für diese
Zeit erwerben. Die Regierung fördert die Sesshaftmachung der Wanderhirten,
zumindest ihre feste Behausung bei den Weideplätzen.
4.2.3 Sesshaftwerdung
Während die ethnisch verschiedenen Gruppen der Aromunen und Sarakatsanen
noch im 17. und 18. Jh. weitgehend die gleiche nomadische Lebensweise
führten, kam es bei den Aromunen bereits im 19. Jh. und früher
zum Sesshaftwerden in den Sommerweidegebieten der Gebirge, dann auch in
den Winterweidegebieten. Es entstanden jene aus festen Häusern bestehenden
Gebirgsdörfer im nördlichen Pindos. Maßgeblich dazu beigetragen
hatte das sich bei den Aromunen entwickelnde Handwerk (Silberschmiederei,
Weberei) und der von ihnen betriebene Fernhandel, die feste Ansiedlung
verlangten. Die Sesshaftwerdung der Sarakatsanen erfolgte im allgemeinen
erst nach dem Zweiten Weltkrieg.
4.2.4 Gründe für den Rückgang der Fernweidewirtschaft
Die Gründe für den Rückgang der Fernweidewirtschaft in
den vergangenen 50 Jahren liegen v. a. in der politischen Geschichte der
jüngeren Vergangenheit. Mit dem Auseinanderbrechen der osmanischen
Herrschaft in Südosteuropa, den Grenzziehungen in deren Gefolge und
restriktiven Maßnahmen, wie dem Zwang für die Aromunen, sich
zu einer Nationalität zu bekennen, Abgaben bei Grenzüberschreitung
und strikter Reglementierung der Wanderwege und Weideplätze, wurde
die Fernweidewirtschaft empfindlich gestört. Das gilt um so mehr
für die Zeit nach 1945, wo die Grenzen zu den sozialistischen Ländern
für Wanderhirten praktisch undurchlässig wurden. Das machte
eine Verlegung der Weideplätze und damit Wanderwege notwendig, was
sich jedoch nur begrenzt als möglich erwies, da gerade die Winterweideplätze
stark geschrumpft waren. Hinzu kamen die Kriegsverluste, die nicht nur
den Menschen starke Verluste beifügten, sondern die Herden oft so
stark dezimierten, dass sie nicht mehr regenerationsfähig waren.
4.2.5 Exkurs: Sarakatsanen im Bürgerkrieg ab 1915
Die Sarakatsanen als traditionell konservative Bevölkerungsgruppe
gerieten im griechischen Bürgerkrieg fast zwangsläufig mit den
kommunistischen Partisanen, die von ihnen Unterstützung forderten,
in Konflikt, was blutige Auseinandersetzungen (die Sarakatsanen wurden
vielfach durch Waffenlieferungen der Regierung unterstützt), Rückzug
aus den unsicheren Gebirgszonen und ihre Sesshaftwerdung in den Dörfern
und Städten der Ebenen beschleunigte. War der Bürgerkrieg auslösender
Faktor für die Sesshaftwerdung, so bewirkte die zivilisatorische
Entwicklung danach, dass die Entscheidung nicht mehr rückgängig
gemacht wurde. Die Annehmlichkeiten eines Lebens in festen Siedlungen,
die Schulpflicht und Wertigkeit der Schulbildung im Bewusstsein der Menschen,
Möglichkeiten zur Inanspruchnahme sozialer Dienste, Wunsch nach einem
geselligen Leben, Versorgung mit Lebensmitteln und anderes standen einer
Rückkehr zur alten Lebensform entgegen. Das bedeutete zugleich einen
Rückgang der Volkstradition, welche die Sarakatsanen über Jahrhunderte
eigenständiger Entwicklung ausgebildet hatten.
5 Auswirkungen der Viehwirtschaft auf Pflanzen und Böden
Die Landschaft Griechenlands wird generell durch hohe Erosionsraten geprägt.
Die hohen Erosionsraten finden in den ökologischen Bedingungen eine
Voraussetzung, die zumeist erst durch menschlichen Einfluss (unter anderen
die Weidewirtschaft) voll wirksam werden konnte. Weit verbreitet sind
darum Rohböden. Es sind verstümmelte oder zerstörte Bodenprofile,
deren Erneuerung durch den ständig wieder erfolgenden Abtrag verhindert
wird
Größte Verbreitung haben in Griechenland Böden, die aus
Kalkstein hervorgegangen sind. Gemeinsam ist ihnen eine mehr oder weniger
starke alkalische Reaktion. An den Standorten, an denen steile Felshänge
Pflanzenwuchs kaum ermöglichen und einmal gebildete Humusansammlungen
rasch fortgeschwemmt oder weggeweht werden, findet man im Initialstadien
der Bodenbildung oft Rohböden ,bzw. das durch Bodenbildung noch kaum
verändert Ausgangsgestein. Beweidung förderte die Bildung solcher
Böden, die sich nur schwer wieder bewalden lassen.
Unter den klimatischen Bedingungen trockener, warmer Sommer und feuchter
Winter hat jede Form von Vegetationszerstörung in hängigem Gelände
für die Böden verheerende Folgen. Sie werden bei fehlender oder
nur lückenhafter Vegetationsdecke leicht abgeschwemmt. Da die Regenerationszeiten
außerordentlich lang sind, bilden sich neue Böden nur in sehr
langen Zeiträumen und werden schon während ihrer Bildung immer
(großteils durch menschliches Einwirken durch Beweidung) wieder
gestört. (Viele gegenwärtige Böden sind fossil, d. h. das
Produkt vergangener Bodenbildungsprozesse unter anderen Klimabedingungen)
Das jahrtausendelange Wirken des Menschen in diesem Raum, die bis heute
betriebene Fernweidewirtschaft und der in großem Umfang durchgeführte
Holzeinschlag bewirkten bereits eine sehr starke Degradierung der Böden.
Der enorme Holzbedarf für Schiff- und Hausbau, Geräte aller
Art, als Brennmaterial und für vieles andere führte zu einer
fortschreitenden Abholzung der Wälder und Degradierung der Bodenkrume.
Schaf- und Ziegenweide taten ein übriges, um ein Wiederaufkommen
des Waldes zu bremsen und damit die Bodenerosion zu erhöhen.
Kaum einzuschätzen ist auch die Bedeutung von Waldbränden, die
unter den mediterranen Klimabedingungen verheerende Schäden anrichten
können. Vor allen Hirten legen solche Brände, um die offene
Weidefläche zu vergrößern.
Ursachen sind nicht nur Waldvernichtung durch Holzeinschlag und Brand
in einem Umfang, der durch Aufforstung bislang kaum wettgemacht werden
konnte, sondern auch die Nutzungsaufgabe von Land im Gebirge bei zumeist
bestehenbleibender Beweidung mit Schafe und Ziegen, von denen ein beträchtlicher
Teil in Fernweidewirtschaft gehalten wird. Die Aufgabe der Ackernutzung
bedeutet zumeist, dass die Bodenkrume offen daliegt. Aufgrund der Beweidung
entwickelt sich eine schützende Vegetationsdecke nur langsam. Der
Zerfall von Ackerterrassen und anderer Schutzeinrichtungen führt
dazu, dass Starkregen voll ihre Wirkung entfalten können.
Die Vegetationsverhältnisse Griechenlands sind Ausdruck insbesondere
der klimatischen Bedingungen. Sie werden allerdings in unterschiedlichem
Maße variiert durch die geologisch - petrologischen Gegebenheiten,
Böden, Oberflächengestalt, aber auch menschliche Einwirkungen.
Als natürliche Vegetation muss man fast überall in Griechenland
Wald annehmen (siehe oben). Er ist unter ungestörten mediterranen
Klimabedingungen dicht geschlossen. An flachgründige degradierte
Böden und langwährende Übernutzung passt er sich durch
einen reicheren Pflanzenunterwuchs an, als er in Wäldern mit dichtem
Kronenschluss möglich ist.
Schon in der Antike hatte die natürliche Vegetation durch Umwandlung
in Kulturland, Weidewirtschaft und Holzeinschlag für Haus- und Schiffbau,/
Brennmaterial und andere Zwecke eine mehr oder weniger starke Veränderung
erfahren.
In den höheren und für den Menschen schwerer erreichbaren Gebirgsgebieten
des Landes stehen auch heute noch z. T. ausgedehnte winterkahle Wälder
und Nadelwälder.
Wo dieser Wald nicht durch Umwandlung in Ackerland und Weideland vollkommen
verschwand, traten an seine Stelle durch Degradation oftmals Macchie bzw.
Pseudomacchie und Phrygana.
Unter Macchie versteht man jene immergrünen Buschformationen, die
zwischen l m und 5 m hoch sind Macchien sind immergrüne Degradationsstadien
immergrüner Wälder, Pseudomacchien immergrüne oder teilimmergrüne
Degradationsstadien sommergrüner, winterkahler Wälder. Degradationsformen
der Macchie bzw. Pseudomacchie und Phrygana weien durch die Viehhaltung
oft folgende Gestalt auf: Zwischen den durch Viehverbiss oft halbkugelförmigen,
stacheligen oder dornigen Sträuchern schimmern das kahle Gestein
oder der rote Boden hindurch, den im Frühjahr einjährige Pflanzen
bedecken und der Phrygana Farbe verleihen. Unter den Zwergsträuchern,
welche die Phrygana aufbauen, befinden sich besonders viele aromatische
Arten, wie Thymian, Lavendel, die einen starken Duft aufgrund eingelagerter
ätherischer Öle ausströmen. Die geringere Bodenbedeckung
schafft ein anderes Kleinklima mit schärferen Temperaturgegensätzen
zwischen Tag und Nacht.
In der Nähe von Siedlungen, wo die Beanspruchung von Boden und Vegetation
durch Mensch und Vieh besonders stark ist, sind es oft nur noch Affodillen,
Euphorbien und Disteln, die auf den überall durchschimmernden; roten
Kalkverwitterungsböden gedeihen, während Holzgewächse ganz
fehlen.
Die Fernweidewirtschaft ging in den vergangenen Jahrzehnten ständig
zurück, v. a. bedingt durch die intensivierte ackerbauliche Nutzung
der Ebenen, die eine Winterweide nicht mehr zulässt. So werden die
Herden auf die weniger günstigen hügeligen Randbereiche verdrängt,
wo es häufig aufgrund nicht ausreichender Weidefläche zur Überweidung
mit den oben beschriebenen Folgen kommt.
6 Literatur
-BEUERMANN (1967):Fernweidewirtschaft in Südeuropa
-LESER, H. (Hrsg.) (1997): Wörterbuch Allgemeine Geographie. Westermann,
München.
-LIENAU, C. (1989): Griechenland.
-MUNTZARIS, I. (1986): Strukturentwicklung in der griechischen Landwirtschaft
nach dem Beitritt in die EU. Probleme und Perspektiven. Diplomarbeit Marburg.
-ROTHER, K. (1993): Der Mittelmeerraum. Teubner, Stuttgart.
-SAUERWEIN, F. (1976) Griechenland. Reihe Hirt´s Studienbücher
Geographie
-SAUERWEIN, F. (1983): Landwirtschaft in Griechenland. Entwicklungen,
Probleme, Tendenzen
bei einem jungen mediterranen Partner der EG. In: Zeitschrift für
Agrargeographie, Band l, S.
321-350.
Internetquelle:
http://www.europa.eu.int.comm/agriculture/envir/report/de/live_de/report.htm
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