Dr. med. R. C. Funck
Abteilung Kardiologie der Klinik für Innere Medizin, Philipps-Universität Marburg
Dieser Beitrag richtet sich in erster Linie an unsere Patienten, deren Angehörige und alle interessierten, die schon immer etwas über Herzschrittmacher wissen wollten.
Herzrhythmusstörungen, ob mit zu schnellem oder mit zu langsamem Herzschlag, können zu erheblichen Beschwerden führen. Das Spektrum reicht dabei von leichten, kaum merkbaren Schwindelattacken bis hin zu Ohnmachtsanfällen, bei denen sich die Betroffenen z. B. durch Sturz auf den Kopf unter Umständen lebensgefährlich verletzen können. Auch Leistungsmangel kann Ausdruck einer Unfähigkeit des Herzens sein, die Schlagfrequenz an das momentane Ausmaß der körperlichen Belastung anzupassen.
Das Herz ,ein muskuläres Hohlorgan, ist die Pumpe des Blutkreislaufs. Eine Herzaktion besteht aus dem Zusammenziehen des Herzmuskels (Systole), hierbei wird Blut in den Kreislauf ausgeworfen und der sich jeweils anschließenden Erschlaffungsphase (Diastole), in der sich die Herzkammern wieder mit Blut füllen. Unter Ruhebedingungen geschieht dies zwischen 60-100 mal in der Minute, bei körperlicher Anstrengung kann die Herzfrequenz auf bis zu 200 Schläge/Min. ansteigen. Die mechanische Herzaktion ist die Folge einer elektrischen Erregung der Herzmuskelzellen. Ausgehend von speziellen Zellen im sog. Erregungsbildungszentrum, wird sie anschließend über spezialisierte Herzmuskelfasern, dem sog. Erregungsleitungssystem, auf die "Arbeitsmuskulatur" der Herzkammern übertragen über die sich dann fächerförmig ausbreitet. Ein zu langsamer Herzschlag kann durch Störungen des Bildungszentrums (Erregungsbildungsstörungen) wie auch des Leitungssystems (Erregungsleitungsstörungen) verursacht sein.
Das Ziel der modernen Schrittmacher-Therapie besteht darin, den natürlichen Ablauf der Erregungsbildung und -leitung möglichst genau nachzuahmen, um auf diese Weise auch für das weitere Leben jedes einzelnen Patienten eine möglichst natürliche Herztätigkeit zu gewährleisten. Seit der erstmaligen Implantation eines Schrittmachers im Jahre 1958 bei einem Menschen, der übrigens noch heute in Schweden lebt, ist in der Schrittmacher-Therapie ein enormer technischer Fortschritt erzielt worden. Nachdem der damalige Schrittmacher-Typ nur die Herzhauptkammern erregen (stimulieren) konnte und seine Akkus bereits nach etwa 20 Minuten erschöpft waren, stehen heute moderne Zweikammer-Schrittmacher zur Verfügung, die auch die Herzvorhöfe stimulieren können und eine Lebensdauer von acht bis u. U. weit über 12 Jahren haben. Durch "Sensoren" können moderne Schrittmacher erkennen, ob sich der jeweilige Patient in Ruhe befindet oder ob und wie stark er sich gerade körperlich belastet: In Abhängigkeit davon kann der Schrittmacher seine Impulsfrequenz an die aktuellen Bedürfnisse des Patienten anpassen. Mit diesen Systemen ist es tatsächlich gelungen, die Funktionen der Erregungsbildung und der Erregungsleitung weitgehend naturgetreu nachzuahmen. Dies hat sich vor allem in der Lebensqualität der Patienten niedergeschlagen. Darüber hinaus kann durch diese Form natürlicher Schrittmacher-Therapie das Auftreten weiterer Herzrhythmusstörungen und das damit unter Umständen verbundene Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden, vermieden bzw. erheblich gemindert werden.
Die Operation zur Einpflanzung (Implantation) eines Schrittmachers wird üblicherweise in örtlicher Betäubung durchgeführt. Daher können Patient und Arzt während des Eingriffs miteinander sprechen und der Arzt hat Gelegenheit, dem Patienten zu erklären, was er gerade tut. Nach einem Hautschnitt unterhalb des Schlüsselbeins wird ein venöses Blutgefäß eröffnet und zwei dünne und äußerst weiche Kabel (Schrittmacher-Elektroden bzw. -Sonden) zum Herzen vorgeschoben: Das Schrittmacher-Aggregat wird anschließend mit den Elektroden verbunden und unterhalb unter der Haut im Bereich des Hautschnitts eingepflanzt. Röntgen-Untersuchungen helfen bei der Plazierung der Sonden und bestätigen deren korrekte Lage ebenso wie abschließend durchgeführte elektrische Messungen. Während der ersten Tage nach der Operation steht die Heilung des Hautschnittes im Vordergrund, so daß in dieser Zeit körperliche Schonung angeraten ist. Danach können die Patienten zunehmend zu ihrem normalen Leben zurückkehren, wobei einige wenige Dinge zu beachten sind.
Dies betrifft in erster Linie die schon im "Forum" dieses Heftes ausführlich dargestellte Problematik der Störbeeinflussung des Schrittmachers durch technische Geräte. Daher hier nur kurz einige zusammenfassende Worte: Grundsätzlich zu meiden sind elektromagnetische Felder (z.B. im Bereich ungeschützter Elektrogeräte, Elektroschweißgeräte oder hoher Stromspannungen). Praktisch jedes Schrittmachersystem kann durch den Betrieb von Mobiltelefonen (Handys) im C und D-Netz gestört werden. Ein Sicherheitsabstand von etwa 25 cm zwischen Handy und Schrittmacher soll nach heutigen Erkenntnissen aber ausreichen, um eine Störbeeinflussung zu vermeiden. Vorsicht ist außerdem bei Warensicherungsanlagen und Passagierkontroll-Einrichtungen an Flughäfen geboten. Bei letztgenannter sollte auf den Schrittmacher hingewiesen und um eine gesonderte Kontrolle gebeten werden. Letztendlich beeinflussen auch Typ und Arbeitsweise des Herzschrittmachers seine Empfindlichkeit gegenüber Störeinflüssen. Da hier grundsätzlich eine unendliche Zahl von Kombinationsmöglichkeiten denkbar ist, sollten sich Schrittmacherpatienten ggf. mit Ihren Fragen an in der Schrittmacher-Therapie kundige und erfahrene Ärzte wenden, um sich für ihre individuelle Situation ausführlich beraten zu lassen.
Die körperliche Leistungsfähigkeit wird durch einen normal funktionierenden Schrittmacher in keinem Falle eingeschränkt und kann - je nach Ausgangssituation - unter Umständen erheblich gesteigert werden. Einige unserer Patienten sind teilweise sportlich sehr aktiv (z.B. Marathonlauf, Skilauf). Vorausgesetzt, eine weitere, einschränkende Herzerkrankung liegt nicht vor, können diese Sportarten auch mit Herzschrittmacher problemlos betrieben werden. Ob und in welchem Ausmaß der einzelne Patient Sport treiben darf, sollte dabei von einer/-em Kardiologin/-en oder kardiologisch erfahrenen Kollegin/-en entschieden werden. Allerdings sollten Sportarten, bei denen heftige mechanische Einwirkungen auf den Schrittmacher eher wahrscheinlich sind, grundsätzlich gemieden werden. Dies trifft z. B. für die meisten Ballsportarten und praktisch alle Kampfsportarten zu.
Der Herzschrittmacher kann - wenn auch äußerst selten - technische Defekte erleiden. Daher ist es erforderlich, das Schrittmachersystem in regelmäßigen Abständen auf seine regelrechte Funktion überprüfen zu lassen. Bei diesen Funktionsprüfungen ist es nicht ausreichend, lediglich den Batteriezustand der Schrittmacheraggregate zu testen, sondern es müssen nacheinander alle einzelnen Funktionen des Schrittmachersystems durch jeweilige kurzfirstige Änderung der Programmierungen ausführlich überprüft werden. Solche Kontrolluntersuchungen werden unmittelbar sowie drei Monate nach der Operation und anschließend alle sechs Monate durchgeführt. Eine besonders wichtige Bedeutung hat dabei die Kontrolle nach drei Monaten: Zu diesem Zeitpunkt sind die Sonden in die Herzwand eingeheilt. Die genaue Bestimmung ihrer elektrischen Leitfähigkeit gibt Aufschluß über die Qualität der Ankopplung zwischen Sonde und Herzmuskel. Nur durch diese Messungen kann der Stromverbrauch für jeden Schrittmacher individuell so eingestellt werden, daß er bei Gewährleistung einer 100%igen Sicherheit dennoch einen möglichst geringen Stromverbrauch hat. Hiermit kann die Grundlage für eine möglichst lange Lebensdauer des Schrittmachers gelegt werden. Von den danach halbjährlich notwendigen Schrittmacherkontrollen kann jede zweite bei niedergelassenen Ärzten erfolgen, die in der Schrittmacher-Therapie kundig sind. Spätestens im Abstand von einem Jahr sollten jedoch Kontrolluntersuchungen möglichst in dem Zentrum stattfinden, das den Schrittmacher implantiert hat. Diese Zentren verfügen über die notwendigen Programmiergeräte, mit denen wirklich alle Funktionen des jeweiligen Schrittmachersystems überprüft werden können.
Sollten zwischenzeitlich Fragen auftreten, kann sich jeder Patient natürlich auch zwischen diesen Kontrollterminen an unsere Schrittmacherambulanz wenden, um entweder telefonisch Fragen zu besprechen oder aber um einen persönlichen Termin zu vereinbaren.