Volker Jahr, David Frechenhäuser, Thorsten Büchner, Thomas Galgon
Marburger PolitologInnen auf dem Arbeitsmarkt revisited:
Die Jahrgänge 1993-2000
1. Einleitung
Berufsverbleibsstudien als Bausteine der internen Evaluation von Fachbereichen oder Instituten liefern in Zeiten, in denen die Fachbereiche immer stärker erkennen, dass sie für die beruflichen Werdegänge ihrer AbsolventInnen zumindest teilweise Verantwortung übernehmen müssen, eine wichtige Informationsgrundlage für Planungsentscheidungen.
Im Rahmen eines zweisemestrigen Proseminars wurde im Jahr 2002 am Institut für Politikwissenschaft der Philipps-Universität Marburg die zweite Befragung Marburger Politologinnen und Politologen durchgeführt. Diese Studie, in der Fragen zum Studienrückblick und zum beruflichen Verbleib der AbsolventInnenjahrgänge 1993 bis 2000 Berücksichtigung fanden, knüpft an die erste Marburger Verbleibsstudie an, die der Seminarleiter 1995 als Diplomarbeit anfertigte. Durch die Verwendung eines teilweise identischen Fragebogens wurde sicher gestellt, dass die direkte Vergleichbarkeit zu den Ergebnissen von 1995 gegeben ist. Auf diese Weise sind wichtige Entwicklungstendenzen auf dem Arbeitsmarkt für PolitologInnen empirisch gesichert zu diagnostizieren. Weitere Vergleichsmöglichkeiten ergeben sich zur Europäischen Hochschulabsolventenstudie, die das Wissenschaftliche Zentrum für Berufs- und Hochschulforschung der Universität Kassel in den Jahren 1999-2001 durchführte. Hieraus wurden Fragen zum Beschäftigungsbereich und zur beruflichen Mobilität übernommen.
Die zweite Befragung Marburger PolitologInnen konnte aber deutlich "schlanker" gehalten werden als ihre Vorgängerstudie. Grund ist der Verzicht auf Fragen, die beim ersten Mal bereits ausführlich behandelt wurden und von denen, auch nach der Rezeption von Studien anderer Standorte, wenig bis keine neuen Erkenntnisse erwartet werden konnten. Hierunter fallen insbesondere Fragen zur Phase der Berufseinmündung (die 1995 einen Schwerpunkt gebildet hatten) und zur Qualifikationsverwendung im Beruf. In der Darstellung ist dafür mehr Platz für die ausführlichere Darstellung des Vergleichs zur Vorgängererhebung gewonnen.
Verbleibsstudien sind oft nur durch Einzelinitiativen entstandene Zufallsprodukte und methodisch wenig aufeinander abgestimmt. Wünschenswert wäre ein etabliertes System des Qualitätsmanagements, das u.a. die Karrierewege der AbsolventInnen regelmäßig und routiniert erfasst. Eine nahtlose Befragung der StudienabgängerInnen im Abstand von einigen Jahren ist dabei zumindest ein Schritt in die richtige Richtung.
2. Rücklauf und Repräsentativität
Die zweite Marburger AbsolventInnenbefragung Politikwissenschaft war als Vollerhebung der Abschlussjahrgänge 1993 bis 2000 konzipiert. In diesem Zeitraum legten 417 Studierende einen Abschluss mit Politikwissenschaft als Hauptfach ab, darunter 304 Diplom- und 113 Magisterstudierende. Studierende für das Lehramt Sozialkunde blieben unberücksichtigt. Die Befragung wurde durchgeführt im April 2002, im Mai erfolgte eine Erinnerungsaktion mit Postkarten.
Von 359 AbsolventInnen konnten gültige Adressen ermittelt werden. Der verwertbare Rücklauf betrug 172 Bögen. Bezogen auf die ermittelten Adressen sind dies 48 %, bezogen auf die Grundgesamtheit 41 %. Die Werte liegen damit im Rahmen vergleichbarer Untersuchungen und etwas niedriger als bei der ersten Befragung 1995 (58 % bzw. 49 %), was auf die Tatsache zurück zu führen sein könnte, das aktuell aus Kostengründen auf eine zweite Erinnerungsaktion verzichtet wurde.
Der auf die Grundgesamtheit bezogene Rücklauf liegt für die einzelnen Jahrgänge zwischen 35 % (1994) und 52 % (1993, 1996). Lediglich der jüngste berücksichtigte Jahrgang 2000 ist mit 21 % Rücklauf unterdurchschnittlich vertreten, wohl wegen des geringen Abstandes zum Studienabschluss.
Der Frauenanteil ist in der Stichprobe (42 %) und in der Grundgesamtheit (41 %) fast identisch. 78 % der Befragten in der Stichprobe gaben an, einen Diplom-Abschluss erworben zu haben (22 % Magister). Die Diplom-PolitologInnen sind daher im Datensatz gegenüber der Grundgesamtheit, in der 73 % mit dem Diplom abschlossen (27 % Magister), leicht überrepräsentiert.
Insgesamt kann also von einer hohen Repräsentativität der Stichprobe ausgegangen werden.
In der folgenden Darstellung werden zum Zwecke des Vergleichs die Zahlen der Studie von 1995 dort eingeflochten, wo sich interessante Unterschiede zeigen bzw. wo eine überraschende Konstanz zu beobachten ist.
3. Biographische Daten
Von den 172 Befragten waren 42,1% weiblich und 57,9% männlichen Geschlechts. 1995 belief sich der Frauenanteil lediglich 31 %. Das Durchschnittsalter der Befragten betrug 32,9 Jahre.
80,5% der Befragten haben keine Kinder. Über ein Kind können sich 10,7% der AbsolventInnen freuen, zwei Kinder besitzen 7,7% aller Befragten. Lediglich 1,2% verfügen über dreifachen Nachwuchs.
Bei der Frage nach den Wohnverhältnissen dominiert das Zusammenleben mit dem/der PartnerIn und/oder Kindern. 52,9 % aller Befragten wählten diese Lebensform. Dahinter folgen die "Allein-Wohner" mit 34,9 %. Der klassischen studentischen Lebensform, den Wohngemeinschaften, halten auch nach dem Studium noch 9,3 % die Treue. 2,9 % der Befragten wohnen bei ihren Eltern.
Die Frage nach der Parteipräferenz beantworteten die Befragten wie folgt: 32 % fühlen sich der SPD nahestehend, 24,7 % den Grünen verpflichtet. 1995 hatten noch 47 % ihre Präferenz für die Grünen geäußert und 19 % mit der SPD sympathisiert. Für 19,3 % vertritt die PDS die politische Meinung (1995: 18 %), wohingegen 8 % aller Befragten sich ausdrücklich keiner Partei politisch nahe fühlen. Die Freien Demokraten (FDP) kommt bei den AbsolventInnen auf 5,3 % aller Stimmen, während sich 4,4 % mit dem Begriff "linkes Spektrum" identifiziert wissen wollen. Mit 4 % belegt die CDU unter den Befragten den letzten Platz innerhalb der etablierten Parteien. Jeweils 1,3 % der Stimmen entfielen auf sonstige Parteien oder auf unentschlossene, die "weiß nicht" ankreuzten. Das Marburger Institut für Politikwissenschaft scheint also nach wie vor die progressiven Kräfte anzuziehen.
28,1 % aller Befragten sind Mitglied einer politischen Partei. Noch mehr Marburger AbsolventInnen sind Mitglied einer Gewerkschaft, nämlich 40,7 %. Insgesamt 46,5 % engagieren sich zur Zeit in politischer oder in sozialer Hinsicht. Diese Zahlen entsprechen denen von 1995 und liegen deutlich über dem bundesdeutschen Durchschnitt: Bundesweit sind nicht einmal 4 % der Bevölkerung als Parteimitglieder registriert.
Abschließend zu den Herkunftsländern und den Bundesländern, in denen die AbsolventInnen derzeit leben: 25,9 % aller Befragten stammen ursprünglich aus Hessen, gefolgt 24,7 % die aus Nordrhein-Westfalen stammenden. Es folgen mit jeweils 11,2 % Niedersachsen und Baden-Württemberg. Dahinter dann mit 10,6 % Rheinland-Pfalz und Bayern mit 7,6 %. Aus dem Ausland stammen 1,6 % der AbsolventInnen.
Derzeit leben 42,4 % der Befragten in Hessen. In Nordrhein-Westfalen wohnen mittlerweile 14,5 %. In Berlin leben 9,3 % aller Befragten, auch nach Hamburg zog es eine Vielzahl an AbsolventInnen – die bereits während des Studiums zu beobachtende Abwanderung in die Großstädte setzt sich also bei denjenigen, die ihren Abschluss noch in Marburg ablegen, in größerem Ausmaß fort. Immerhin 3,5 % aller AbsolventInnen leben derzeit im Ausland.
Sowohl die Prozentwerte für die Herkunft als auch für den derzeitigen Wohnsitz der Befragten sind größtenteils prozentgenau identisch mit den Werten der Vorgängerbefragung von 1995 – ein Beleg für die Regelmäßigkeit von Mustern, die mit empirischen Befragungen aufgedeckt werden kann.
4. Vor dem Studium
92,4 % der Befragten erlangten ihre Zugangsberechtigung zum Hochschulstudium per Abitur an Gymnasien oder Gesamtschulen. 4,1 % erlangten diese über den zweiten Bildungsweg, der damit gegenüber 1995 (12 %) noch weiter an Bedeutung verloren hat.
16,3 % der Befragten haben vor Beginn ihres Hochschulstudiums eine berufliche Ausbildung abgeschlossen (1995: 17 %). Bei diesen insgesamt 16,3 % bilden die kaufmännischen Ausbildungen mit 8,1% die Mehrheit, gefolgt von den Ausbildungen im Verwaltungssektor mit 5 %.
Insgesamt 12,2 % der AbsolventInnen waren vor Aufnahme des Studiums bereits berufstätig, wobei Gelegenheitsjobs ausgeklammert blieben: 4,4 % arbeiteten im kaufmännischen Bereich; in der Verwaltung waren 3,8 % tätig.
5. Studienverlauf
In diesem Abschnitt soll untersucht werden, wie die AbsolventInnen ihr Studium gestaltet haben, welche Kriterien ihnen während ihrer Studienzeit wichtig waren und welche zusätzlichen Qualifikationen sie im Verlauf ihres Studiums erwarben.
Von den AbsolventInnen, die den Fragebogen beantworteten, haben 78,5 % (n=135) einen Diplom- und 21,5 % (n=37) einen Magisterabschluss erworben. Erfragt wurde auch die Anzahl der studierten Fachsemester Politikwissenschaft einschließlich der Abschlussprüfung und Auslandssemester, jedoch abzüglich der Urlaubssemester. Hier ergibt sich ein Mittelwert von 12,5 Semestern, wobei 59 % der Befragten bis zu 12 Fachsemester studierten. Im Gegensatz zur Befragung von 1995 zeigen sich keine geschlechtsspezifischen Unterschiede: Sowohl Frauen als auch Männern benötigen beide durchschnittlich 12,5 Fachsemester.
Mit 38 % bzw. 37 % sind Jura / Öffentliches Recht bzw. Soziologie die bevorzugten Pflichtwahlfächer der Diplom-PolitologInnen. Gut 19 % entscheiden sich für Volkswirtschaftslehre. Beim Freien Wahlfach dominieren NDL und Medien (27 %), Geschichte (18 %) und Soziologie (13 %).
Die AbsolventInnen des Magister-Studiengangs entschieden sich, wenn sie ein zweites Hauptfach belegten, am ehesten für NDL und Medien (26 %), Germanistik (21 %) und Romanistik (15 %). Bei zwei Nebenfächern fiel die Wahl bevorzugt auf Soziologie, NDL und Medien sowie Geschichte.
5.1 Entscheidung für Politikwissenschaft als Studienfach
Für viele spätere AbsolventInnen ist die Politikwissenschaft eine Option, die sich erst während ihres Studiums abzeichnet: Immerhin ein Viertel (n=43) der Befragten ist aus einem anderen Studienort nach Marburg gewechselt, um einen politikwissenschaftlichen Studiengang aufzunehmen (ein Drittel) bzw. weiterzuführen (zwei Drittel). Ebenfalls fast ein Viertel der Befragten, 24,1%, haben ihr Studium in einem anderen Fach begonnen. Außerdem wechselten 39,3 % im Verlauf ihres Studiums ihr Nebenfach bzw. ihre Nebenfächer.
Die folgende Tabelle gibt einen Überblick, warum die Befragten gerade Politikwissenschaft als ihr Hauptfach gewählt haben:
Tabelle 1: Politikwissenschaft als Hauptfach
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|
% |
Anzahl der Nennungen |
|
Politisches Interesse |
68,6% |
118 |
|
Allgemeines Interesse |
61,6% |
106 |
|
Fortführung aus der Schulzeit |
28,5% |
49 |
|
Hintergrundwissen für den Beruf |
22,7% |
39 |
|
Wenig konkrete Vorstellungen |
10,5% |
18 |
|
Sonstiges |
6,4% |
11 |
Frage 15. Warum haben Sie das Fach Politikwissenschaft als Hauptfach gewählt? (Mehrfachnennungen möglich)
68,6% entschieden sich aufgrund eines starken politischen Interesses, Politikwissenschaft als Hauptfach zu belegen. 61,6% gaben das allgemeine Interesse an gesellschaftlichen Fragen als Grund an. Für 28,5% bedeutete es die logische Fortführung des Faches aus der Schulzeit. 22,7% wollten das Fach studieren, um sich Hintergrundwissen für den späteren Beruf anzueignen. Nur 10,5% hatten wenig konkrete Vorstellungen, warum sie sich gerade für Politikwissenschaft im Hauptfach eingeschrieben haben.
Die Wahl des Politikstudiums setzt in der Regel ein reges Interesse für die Politik voraus. Ist eine gewisse Politisierung vor dem Studium noch nicht vorhanden, wird sie sehr wahrscheinlich während der Studienzeit auftreten, so lässt sich vermuten. Die Zahlen belegen diese These: 59,6% wurden in ihrer eigenen Einschätzung durch das Studium der Politikwissenschaft stark beziehungsweise sehr stark politisiert. Nur 18,3% wurden in geringem Maße oder gar nicht politisiert. Und alleine 39,5% hier nicht mit Eingerechnete gaben an, schon vor dem Studium politisiert gewesen zu sein.
5.2 Warum Marburg?
"Was war der Grund für Ihr Politikstudium in Marburg?" Der Hälfte (51,2%) der Befragten war die Uni-Stadt Marburg wichtigstes Kriterium, um sich für ein Studium in Marburg zu entscheiden. Der gute Ruf des Instituts für Politikwissenschaft zog 37,2% an die Uni an der Lahn. Es folgt das Argument der Heimatnähe mit 25,6 Prozent. 18,6% kamen aufgrund der Empfehlung von Freunden und Verwandten, 17,4% entschieden sich wegen bestimmter ProfessorInnen für das Institut für Politikwissenschaft. Hingegen lockte eine gute Ausstattung der Uni (z.B. ein umfassendes Bibliothekensystem) nur 3,5% der Befragten an die Marburger Universität. Unter den 37,2% der Befragten, die "Sonstiges" angekreuzt haben, sind unter anderem folgende Gründe zu finden: "Politikstudium in Marburg wegen des angebotenen Diplomfachs", "vorher bereits in Marburg studiert", "großer Fachbereich", "Blindenstudienanstalt" und "kein Latinum erforderlich".
Tabelle 2: Grund für Studium in Marburg
|
|
% |
Anzahl der Nennungen |
|
Die Uni-Stadt Marburg |
51,2% |
88 |
|
Reputation des Instituts |
37,2% |
64 |
|
Heimatnähe |
25,6% |
44 |
|
Empfehlung von Freunden/Bekannten |
18,6% |
2 |
|
Bestimmte ProfessorInnen |
17,4% |
30 |
|
Gute Ausstattung |
3,5% |
6 |
|
Sonstiges |
37,2% |
64 |
Frage 14. Was war der Grund für Ihr Politik-Studium in Marburg? (Mehrfachnennungen möglich)
Der Studierendenschwund im Laufe des politikwissenschaftlichen Studiums erklärt sich zu einem großen Teil aus der Tatsache, dass zahlreiche Studierende zur Fortsetzung ihres Studiums in die Großstädte Berlin oder Hamburg wechseln. Was bewegt die übrigen dazu, in Marburg zu bleiben?
Tabelle 3: Abschluss in Marburg
|
|
% |
Anzahl der Nennungen |
|
Angenehme Studienatmosphäre |
50,0% |
83 |
|
Gutes soziales Umfeld |
47,6% |
79 |
|
Guter Kontakt zu den Lehrenden |
39,2% |
65 |
|
Bequemlichkeit |
35,5% |
59 |
|
Wechsel aus einer anderen Stadt |
18,1% |
30 |
|
Gesicherter Nebenjob in Marburg |
14,5% |
24 |
|
Gute Ausstattung des Instituts |
11,4% |
19 |
|
Sonstiges |
27,7% |
46 |
Frage 18. Warum haben Sie den Studienort nicht gewechselt und in Marburg den Abschluss gemacht? (Mehrfachnennungen möglich)
Die Hälfte der AbsolventInnen machte ihren Abschluss in Marburg wegen der angenehmen Studienatmosphäre in der Uni-Stadt. 47,6% hielt es angesichts des guten sozialen in Marburg und 39,2% wegen des guten Kontakts zu den Lehrenden. 35,5% wechselten aus Bequemlichkeit nicht den Studienort. 18,1% wollten nach einem Wechsel nach Marburg nicht erneut die Universität wechseln, 14,5% ihren sicheren Nebenjob nicht aufgeben.
5.3 Abschlussarbeit
Zwei Fragen beschäftigen sich mit der Examensarbeit. Die erste zeigt auf, in welchen Bereichen die Abschlussarbeit verfasst wurde: 26,5% der PolitologInnen schrieben ihre Arbeit im Bereich "Politisches System der Bundesrepublik Deutschland", es folgen die Themenkomplexe "Internationale Beziehungen und Außenpolitik" mit 22,4%, "Politische Theorie" mit 17,6%, "Analyse und Vergleich politischer Systeme" mit 10,6%, "Politik und Wirtschaft" mit 7,6% und "Politik und Geschlechterverhältnis" mit 5,9%. Die geringste Beachtung wurde dem Bereich "Methoden der Politikwissenschaft" geschenkt mit 2,9%.
Mit der zweiten Frage wurden die Gründen aufgedeckt, die den Ausschlag für ein bestimmtes Arbeitsthema gegeben haben: Die Spezialisierung auf einem der genannten Gebiete im Hauptstudium gaben 65,9 % als Hauptgrund für die Wahl des Themas ihrer Abschlussarbeit an. 31,2 % der AbsolventInnen suchten einen konkreten Bezug zwischen der Examensarbeit und einer praktischen Tätigkeit herzustellen, z.B. einem zuvor absolvierten Praktikum. 15,9 % verbanden die Wahl des Themas mit den Inhalten des voraussichtlich angestrebten Berufs. Nur 5,3 % ließen sich das Thema von den Lehrenden vorschlagen. Unter "Sonstiges" fallen beispielsweise Aussagen wie "persönliches Betroffenheit bzw. persönliches Interesse" und "konkreter Bezug zum zweiten Hauptfach bzw. zum Erststudium".
Tabelle 4: Ausschlag für Abschlussthema
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|
% |
Anzahl der Nennungen |
|
Spezialisierung auf diesem Gebiet |
65,9% |
112 |
|
Bezug zu Praktika |
31,2% |
36 |
|
Bezug zum angestrebten Beruf |
15,9% |
27 |
|
Vorschlag des/der Lehrenden |
5,3% |
9 |
|
Sonstiges |
28,2% |
48 |
Frage 20. Was gab den Ausschlag, sich für das Thema Ihrer Abschlussarbeit zu entscheiden? (Mehrfachnennungen möglich)
5.4 Zeiteinteilung
Es wurde untersucht, wie die Studierenden ihre Zeit in der Woche einteilten. Dabei wurde zwischen der Vorlesungszeit und vorlesungsfreier Zeit differenziert. So besuchten die Befragten Lehrveranstaltungen durchschnittlich 15,4 Stunden in der Woche und rechneten 14,1h für das Selbststudium ein. Vergleicht man den ersten Wert beispielsweise mit den Studienanforderungen im Diplomstudiengang Politik, so liegt er knapp unter dem errechneten Mittelwert. Denn würde man in der Regelstudienzeit von neun Semestern die festgelegten 144 Semesterwochenstunden des Grund- und Hauptstudiums unterbringen wollen, müsste man wöchentlich 16h für Lehrveranstaltungen einrechen.
Erwerbstätigkeiten mit Bezug zum Studium (inklusive Praktika) gingen die Studierenden 4,6h pro Woche nach, Erwerbstätigkeiten ohne Bezug zum Studium 9,6h. Aktivitäten außerhalb des Studiums (z.B. Hochschulsport) ergaben einen Schnitt von 7,3h pro Woche.
In der vorlesungsfreien Zeit wurde für das Selbststudium im Durchschnitt 13,8h pro Woche aufgewendet. Erwerbstätigkeiten mit Bezug zum Studium nahmen 8,7h in der Woche ein, Erwerbstätigkeiten ohne Studienbezug 18,6h. Der Mittelwert für Aktivitäten außerhalb des Studiums beläuft sich auf 7,9h pro Woche.
5.5 Studienrückblick
Die aktuelle Befragung verzichtete auf ausführliche Fragen zum Studienrückblick, da hiervon wenig neue Erkenntnisse zu erwarten sind. Erfragt wurde aber, in welchem Ausmaß die Hochschule und ihre Lehrkräfte auf verschiedene Aspekte Wert gelegt haben. Als Antwortmöglichkeiten standen jeweils die Optionen "sehr wichtig", "wichtig", "mittel", "weniger wichtig" und "unwichtig" in einer 5er-Skala zur Verfügung. Um die Auswertungsergebnisse anschaulicher darzustellen, sind die Optionen "sehr stark" und "stark" zusammengefasst aufgeführt. Danach wurde die Förderung des "Kritischen Urteilsvermögens" von 78,3% der Befragten als stark bzw. sehr stark innerhalb des Studiums am Institut für Politikwissenschaft angegeben. Es folgen die Weitergabe von "Theorien und Konzepte" mit 76% und die Vermittlung "selbstständigen Lernens" mit 72,7%. Für 38,9% hatte die Vertiefung von "Methoden" einen wichtigen Stellenwert in ihrer Studienzeit. 32,3% der Befragten erachteten die "Kontakte zwischen den Studierenden" als wichtig. Am Ende der Skala finden sich die Aspekte "Vermittlung von Faktenwissen" mit 27,5% und "Lehrende als Hauptquelle von Informationen" mit 12,3%.
Gefragt wurde auch nach der Wichtigkeit verschiedener Kriterien während des Studienverlaufs aus Sicht der Studierenden. Hier wurde ebenfalls eine 5er-Skala verwendet, von der die "sehr wichtigen" und "wichtigen" Kriterien addiert und der Wichtigkeit nach dargestellt wurden. So hielten 79,5% der AbsolventInnen für wichtig, nach eigenen Interessen, nicht nach etwaigen beruflichen Anforderungen studiert zu haben. Mit 78,5% folgt die Wichtigkeit, spezifische Kenntnisse erworben zu haben. Mit einem klaren Abstand schließt sich der Erwerb breiter Kenntnisse mit 65,7% an. Jeweils mehr als die Hälfte der Befragten erachten das Studium für wichtig als Ort sozialer Kommunikation (59,3%) und privater Beziehungen (55,6%), wie z. B. das Zusammenleben in WGs. Für rund ein Drittel hatten jeweils der Erwerb von berufsbezogenen Qualifikationen (35,5%), Jobs zur Einkommenssicherung (32,2%), das politische Engagement (31%) und das Knüpfen von Praxiskontakten (30,4%) einen wichtigen Stellenwert während des Studiums. Am Ende der Bewertung steht die Wichtigkeit der kurzen Studiendauer mit 28,7%. Wie schon in der Befragung von 1995 sind hier einige Daten fixiert, die, verglichen mit "Mainstream-Fächern", auf einen anderen Bewertungsmaßstab der PolitologInnen im Hinblick auf die berufliche Verwertbarkeit ihres Studiums hindeuten und etwaige negative Befunde in diesem Kontext deutlich relativieren können.
5.6 Qualifikationserwerb
Auf die Frage, welche weiteren (berufsvorbereitenden) Qualifikationen die Studierenden während des Studiums erworben haben, liegt der Bereich Jobben mit 82,4% an der Spitze. 62,9% gaben an, während des Studiums Praktika im Inland absolviert zu haben, wobei anzumerken ist, dass erst seit der neuen Magisterstudienordnung von 2001 bzw. der neuen Diplomstudienordnung von 1996 ein sechswöchiges bzw. zweimonatiges Pflichtpraktikum vorgeschrieben ist. Es folgen EDV-Kenntnisse mit 61,8%. 43,5% können Fremdsprachenkenntnisse als zusätzlich erworbene Qualifikation anführen. Als studentische Hilfskraft bzw. TutorIn erweiterten gut ein Drittel (33,5%) ihren gesellschaftswissenschaftlichen Horizont. 29,4% arbeiteten in der Unipolitik (AStA, Fachschaft, o.ä.), ein Viertel (25,3%) in einer politischen Partei und 17,1% in einer BürgerInneninitiative mit. Ein Auslandstudium nahmen 22,4% auf, wohingegen ein Praktikum im Ausland 13,5% der PolitologInnen absolvierten. Mit einem Studium an einer anderen deutschen Universität erwarben sich 17,6% eine weitere Qualifikation.
Ein Mittelwertvergleich ergab, dass Studierende mit Job 12,5 Semester und Studierende ohne Job 13,3 Semester bis zum Abschluss benötigten. Jedoch ist der Unterschied statistisch nicht signifikant. Dagegen ergab die Verbindung von Praktika im Inland und kurzer Studiendauer hoch signifikante Resultate: So brauchten die AbsolventInnen ohne Praktikum für ihr Studium durchschnittlich 13,7 Semester, mit Praktikum aber durchschnittlich nur 12 Semester (p=0,001). Auf den ersten Blick erscheint das Ergebnis paradox, die Daten legen jedoch die Vermutung nahe, dass PolitologInnen mit Praktikumserfahrung das Studium zielstrebiger absolvieren (berufsorientierter Typus), im Gegensatz zu Studierenden ohne Praktika, die ihren Schwerpunkt auf das Studium legen, und für die eine kurze Studiendauer in der Regel auch nicht so entscheidend ist (bildungsorientierter Typus). Untermauert wird diese Beobachtung durch die Tatsache, dass auf der einen Seite 43 % der Befragten angeben, sich während ihres Studiums stark oder sehr stark mit der Frage ihrer späteren Berufstätigkeit auseinander gesetzt zu haben, umgekehrt aber auch 32 % betonen, dies wenig oder gar nicht getan zu haben.
5.7 Praktika
Mehrere Fragen beschäftigen sich ausführlicher mit dem Themenkomplex Praktika. Auf die entsprechende Frage im Fragebogen geben 22 % der Befragten an, ein Praktikum absolviert zu haben. Weitere 21 % haben zwei, weitere 15 % sogar drei Praktika gemacht. Ebenfalls 15 % absolvierten sogar mehr als drei Praktika, der Spitzenwert für zwei AbsolventInnen liegt bei acht. Dabei gibt es beim Vergleich von Diplom- und Magisterstudiengang keinen Unterschied. Nur 26,6% (n=45) haben kein Praktikum gemacht. Die durchschnittliche Zahl der Praktika liegt bei 1,8, die durchschnittliche Dauer bei 5,7 Monaten. Unterscheidet man bei der letzten Angabe zwischen Frauen und Männern, so fällt auf, dass Männer durchschnittlich 6,3 Monaten für Praktika aufwendeten, Frauen hingegen nur 5,2 Monate. Diese Abweichung ist jedoch statistisch nicht signifikant.
Als ein Effekt von Praktika ist eine Konkretisierung der beruflichen Vorstellung der AbsolventInnen hinsichtlich der Beschäftigungsbereiche, in dem sie später arbeiten möchten, feststellbar. Statistisch ist dies nachweisbar in Form einer geringen, aber sehr signifikanten Korrelation. So geht der Trend dahin, dass sich Studierende mit Praktika-Erfahrungen stärker mit der Frage ihrer späteren Berufstätigkeit beschäftigten.
Die einzelnen Bereiche, in denen Praktika absolviert wurden, waren dabei sehr vielfältig:
Tabelle 5: Bereiche der Praktika
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|
% |
Anzahl der Nennungen |
|
Journalismus, Medien |
52,0% |
65 |
|
Parteien, Parlamente, etc. |
34,4% |
43 |
|
Öffentliche Verwaltung |
28,8% |
36 |
|
Stiftungen, Gewerkschaften, Verbände |
27,2% |
34 |
|
Erwachsenenbildung |
10,4% |
13 |
|
Internationale Institutionen |
7,2% |
9 |
|
Universität, Forschung |
4,8% |
6 |
|
Sonstiges |
11,2% |
14 |
Frage 27. In welchen Bereichen haben Sie Praktika absolviert? (Mehrfachnennungen möglich)
An erster Stelle liegt der Bereich "Journalismus, Medien", in dem die Hälfte der PraktikantInnen (52%; n=65) tätig war. Ebenfalls große Bedeutung besitzen die Bereiche "Parteien und Parlamente" mit 34,4%, die "öffentliche Verwaltung" mit 28,8% und der Sektor "Stiftungen, Gewerkschaften, Verbände" mit 27,2%. Scheinbar geringe Möglichkeiten bietet das Arbeitsfeld "Universität, Forschung" (4,8%), wenn es um das Angebot von Praktikumstellen geht.
Die ersten praktischen Erfahrungen haben 62,7% (n=79) der PraktikantInnen stark bzw. sehr stark in ihren weiteren Berufsplanungen beeinflusst. Nur 15,8% (n=20) konnten wenig bzw. keine Verbindung zwischen Praktika und Berufswunsch herstellen. Nicht so eindeutig hingegen ist die Antwort auf die Frage, in welchem Ausmaß die Arbeitserfahrungen (Praktika, aber auch Jobben etc.) während des Studiums mit den Inhalten des Studiums verbunden waren: 39,8% (n=64) sprechen von einer starken bzw. sehr starken Verknüpfung. Jedoch konnten 38,5% (n=57) nur wenig oder keine Verbindung zwischen Arbeitserfahrungen und Inhalten des Studiums feststellen.
Die Anzahl absolvierter Praktika wirkt sich positiv auf die späteren Einkommensverhältnisse aus. So ist bei Leuten, die mindestens eins (34980 €), zwei (37058 €), drei (42049 €), oder gar sechs Praktika (56666 €) absolviert haben, ein ansteigender Verlauf des durchschnittlichen jährlichen Bruttoeinkommens zu konstatieren. Die während des Studiums bereits vorhandene Karriereorientierung wurde hier offensichtlich aufs Berufsleben übertragen.
5.8 Bilanz
Zur Bilanzierung der Studienzeit wurde den AbsolventInnen auch die "Sonntagsfrage" der Berufsverbleibsforschung gestellt: "Würden Sie sich im Rückblick auf das Studium in Marburg wieder für Politikwissenschaft entscheiden?"
Tabelle 6: Wieder Studium in Marburg?
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% |
Anzahl der Nennungen |
|
Ja, alles wieder so machen |
51,5% |
88 |
|
Ja, aber nur mit Doppelstudium |
17,0% |
29 |
|
Nein, nicht noch einmal Politikwissenschaft |
9,4% |
16 |
|
Ja, aber Politikwissenschaft nur im Nebenfach |
8,2% |
14 |
|
Ja, aber nicht in Marburg |
5,3% |
9 |
|
Ja, aber nur mit weiterem Studium im Anschluss (Zweitstudium) |
0% |
0 |
|
Nein, ich würde gar nicht mehr studieren |
0% |
0 |
|
Sonstiges |
8,8% |
15 |
Frage 31. Würden Sie sich im Rückblick auf das Studium in Marburg wieder für Politikwissenschaft entscheiden? (Mehrfachnennungen möglich)
Die überwiegende Mehrheit bereut nicht, sich für ein politikwissenschaftliches Studium in Marburg entschieden zu haben: 76,7% (n=131) beantworteten die Frage positiv, in allerdings unterschiedlichen Varianten. So würde mehr als die Hälfte (51,5%; n=88) alles wieder so machen, d.h. Politikwissenschaft mit den gleichen Nebenfächern und in Marburg. 17% der AbsolventInnen würden zwar wieder Politikwissenschaft studieren, aber gekoppelt an ein weiteres Studium (Doppelstudium). 8,2% würden Politikwissenschaft nur im Nebenfach studieren. Unter die negativen Antworten fallen 5,3% der Befragten, die zwar weiterhin ein Politikstudium befürworteten, sich aber für einen anderen Studienort entscheiden würden. Nur 9,4% (n=16) würden nicht wieder Politikwissenschaft studieren. Die 8,8% der Befragten, die "Sonstiges" angekreuzt haben, würden sich im Rückblick größtenteils wieder für Marburg entscheiden, jedoch mit einigen Ergänzungen oder Veränderungen: "nur Grundstudium in Marburg", "ja, aber anderes Nebenfach", "mit Auslandsaufenthalt", "auf Lehramt", "mit mehr Praxisnähe". Andere AbsolventInnen würden im Rückblick die Entscheidung für ein erneutes Studium an das Angebot der aktuell Lehrenden knüpfen.
6. Berufsverlauf seit Studienende
In diesem Abschnitt geht es um den Werdegang der AbsolventInnen bis zu ihrer derzeitigen Situation. Wie war beispielsweise der Übergang vom Studium in den Beruf, oder was waren Gründe für einen Stellenwechsel.
6.1 Pläne bei Studienende
Wie im Abschnitt zum Studienverlauf bereits heraus gearbeitet wurde, wird die Frage der Berufsvorbereitung während des Studiums unter den PolitologInnen sehr kontrovers gesehen. Verglichen mit anderen Fächern sind die Vorstellungen der AbsolventInnen bezüglich ihrer Berufstätigkeit zum Zeitpunkt des Studienabschlusses daher nur zum Teil gefestigt: Immerhin 65,1% (n=112) geben an, zum Studienende konkrete bzw. sehr konkrete Vorstellungen zum Bereich der Beschäftigung gehabt zu haben. Über die konkrete Tätigkeit waren sich 41,9% (n=72) stark bzw. sehr stark im Klaren. Über ein Drittel (36%; n=62) konnte sich konkret bzw. sehr konkret vorstellen, in welcher Region sie später arbeiten wollen. Nicht so entscheidend hingegen erscheint die Höhe des Einkommens. Nur 20,5% (n=35) hatten eine konkrete bzw. sehr konkrete Vorstellung bezüglich ihres zukünftigen Gehaltes. Dahingegen hatten 52,9% (n=91) der Befragten wenig konkrete bzw. sehr vage Einkommensvorstellungen.
Damit korrespondieren die Pläne bzw. Vorstellungen der PolitologInnen bei Studienende. 52,6% (n=90) der Befragten strebten an, eine ihren Vorstellungen entsprechende Vollzeitstelle zu finden. Auf eine Teilzeitstelle wollten sich dagegen nur 12,9% bewerben. Ein Viertel (n=43) beabsichtigte das zielgerichtete Angehen eines Forschungsprojekts bzw. der Promotion. 18,7% wünschten zunächst einen Job zur Einkommenssicherung. 18,1% hatten vor, eine weitere Ausbildung oder eine Weiterbildung (z.B. Volontariat) zu beginnen. 14% wollten erst einmal schauen, was sich ergibt. Ein geringer Anteil erwog, ein Aufbaustudium (4,7%) oder ein Zweitstudium (5,3%) aufzunehmen. Eine Anstellung bei der sie blieben, konnten 5,8% (n=12) der Befragten vorweisen. 2,3% verfolgten das Ziel, sich nach Abschluss des Politikstudiums selbstständig zu machen oder freiberuflich zu arbeiten. Eine Umschulung wollte keine(r) der AbsolventInnen direkt beginnen. Verglichen mit 1995 lassen sich trotz der Tatsache, dass zwischenzeitlich ein Pflichtpraktikum zur Verbesserung der Berufsorientierung installiert wurde, keine nennenswerten Veränderungen feststellen. Erneut erstaunt die Tatsache, dass für knapp die Hälfte der Befragten zum Zeitpunkt des Abschlusses eine Vollzeitstelle nicht zu den Präferenzen gehört.
6.2 Beschäftigungssuche
Die durchschnittliche Suchdauer vom Abschluss bis zur Aufnahme der ersten Tätigkeit, die nicht als Gelegenheitsjob betrachtet wurde, betrug 6,9 Monate. Bei den weiblichen Befragten dauerte es durchschnittlich einen Monat länger, nämlich 7,8 Monate, wohingegen die männlichen Absolventen 6,3 Monate nach Abschluß ihre erste Beschäftigung fanden. Für 54,6% (n=89) der AbsolventInnen hatte diese erste Tätigkeit einen Bezug zum Studium.
Nach eigener Einschätzung hatten 45,7% oder 75 Befragte große oder sehr große Probleme bei der Suche nach ihrer ersten Tätigkeit. Für 37,8%, 62 Befragte, war die Berufssuche nur mit geringen oder keinen Problemen verbunden. Zwischen dem Ausmaß der Beschäftigung mit der Berufsfrage während des Studiums und dem Ausmaß der Schwierigkeiten bei der Berufssuche lässt sich keine signifikante Korrelation feststellen.
6.3 Stellenwechsel
Die Marburger Politologie-AbsolventInnen haben zum Zeitpunkt der Befragung seit ihrem Abschluss durchschnittlich 1,3 mal die Stelle gewechselt. Erstaunlich ist dabei, dass die Frauen ihre Stellen statistisch signifikant häufiger (1,65 mal) wechselten als die Männer (1,06 mal). Für 28 Befragte traf diese Frage nicht zu, dass sie bei der Suche nach ihrer ersten regulären Beschäftigung noch nicht fündig geworden waren.
Während 30 % noch immer die erste Tätigkeit ausüben, wechselte ein Drittel der Befragten einmal die Stelle. Umgekehrt können 5,3 % der Befragten (n=9) bereits auf fünf oder mehr verschiedene Beschäftigungsverhältnisse verweisen. Mit zunehmender Anzahl der Stellenwechsel ist dabei ein leichter, wenn auch nicht signifikanter Einkommensanstieg zu verzeichnen, der nahe legt, dass die Tätigkeiten hauptsächlich zur beruflichen Verbesserung gewechselt wurden.
Tabelle 7: Anzahl der Stellenwechsel
|
|
% |
Anzahl der Nennungen |
|
Noch kein Stellenwechsel |
30,6 |
44 |
|
Ein Stellenwechsel |
34,0 |
49 |
|
Zwei Stellenwechsel |
20,8 |
30 |
|
Drei Stellenwechsel |
8,3 |
12 |
|
Vier und mehr Stellenwechsel |
6,3 |
9 |
Frage 35. Welche Tätigkeiten haben Sie seit Studienende ausgeführt?
Der Hauptgrund für einen Wechsel war für die Befragten die Tatsache, dass sie befristet beschäftigt waren. Deshalb wechselten 28,8% (n=44) den Arbeitsplatz. Weitere wichtige Beweggründe waren die zu geringen Aufstiegschancen (15,7%; n=24) oder ein zu geringes Einkommen (13,7%; n=21).
Tabelle 8: Gründe für Stellenwechsel
|
|
% |
Anzahl der Nennungen |
|
Befristete Tätigkeit |
28,8 |
44 |
|
Aufstiegschancen zu gering |
15,7 |
24 |
|
Einkommen zu gering |
13,7 |
21 |
|
Arbeitsklima zu schlecht |
12,4 |
19 |
|
Unterforderung |
11,8 |
18 |
|
Sonstiges |
10,5 |
16 |
|
Private Gründe (Partner) |
8,5 |
13 |
|
Bezog sich zu wenig auf Studium |
6,5 |
10 |
|
Ortswechsel |
5,9 |
9 |
|
Auslandswunsch |
1,3 |
2 |
Frage 36. Falls Sie Ihre erste Tätigkeit schon einmal gewechselt haben, geben Sie bitte den Grund an. (Mehrfachnennungen möglich)
6.4 Karriereverlaufsgruppen
Um nicht nur eine Momentaufnahme der aktuellen beruflichen Situation der Marburger PolitologInnen zu erhalten, sondern auch die beruflichen Stationen in einer dynamischen Perspektive zu erfassen, wurden analog zur ersten Befragung 1995 verschiedenen Karriereverlaufsgruppen gebildet und analysiert. Die Zuordnung geschah dabei aufgrund des subjektiven Eindrucks bei der Interpretation der Tabelle zum Berufsverlauf (Frage 35) in der die bisherigen Tätigkeiten, die dazu gehörigen Daten sowie die Art des Arbeitsverhältnisses erfragt wurde. Berücksichtigung fand darüber hinaus die aktuelle berufliche Situation und ihre Indikatoren.
Auf dieser Basis lassen sich acht Karriereverlaufsgruppen charakterisieren:
Karrieretyp A lässt sich als Maximalkarriere bezeichnen. Eingeordnet werden hier alle Fälle, in denen die Absolventinnen und Absolventen unmittelbar nach dem Studienende eine unbefristete Stelle einnehmen, die von hoher Qualität und Ausbildungsadäquanz ist. Es ist auch möglich, dass sie einen solchen Arbeitsplatz unmittelbar im Anschluss an eine Tätigkeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter oder Angestellter an einer Hochschule erreichen. Falls die Inhaber ihre Stelle bereits einmal gewechselt haben, so ist hier ein steigender Karriereverlauf zu konstatieren. Insgesamt treten aber bei Typ A nur wenige Phasen bis zur Etablierung auf, Phasen der Arbeitslosigkeit kommen nicht vor.
In Karrieretyp B sind die erfolgreichen Karrieren mit Zusatzqualifikation zusammengefasst. Eine solche Zusatzqualifikation kann in Form einer Promotion, eines Zusatzstudiums oder Zweitstudiums oder einer Zusatzausbildung vorliegen. Allerdings sollten diese Zusatzqualifikationen nicht studieninhaltsfern sein. Typ B ist also dadurch gekennzeichnet, dass zwar wie bei Typ A beruflicher Erfolg vorhanden ist, dieser sich aber neben dem Politikstudium ergänzenden Zusatzqualifikationen verdankt.
Unter Typ C sind Fälle zusammengefasst, in denen eine erfolgreiche Karriere letztlich gelingt, jedoch erst nach meistens mehreren Zwischenstationen in Form von Phasen fachfremder Tätigkeiten oder Arbeitslosigkeit. Auch jene Fälle, in denen der Berufseinstieg erst nach relativ langer Zeit des Jobbens gelingt, haben wir dem Typ C zugeordnet.
Typus D bezeichnet die wissenschaftliche Karriere an Hochschulen. Den AbsolventInnen in dieser Gruppe ist der Status als Lehrende und Forschende gemeinsam. Hier soll im Karriereverlauf keine fachfremde Tätigkeit auftauchen. Im Idealfall ist eine vollständige Etablierung in Form einer Professur gelungen.
Typ E, die "Familienkarriere", ist dadurch charakterisiert, dass die Befragten nach dem Studium keine Berufskarriere einschlugen, sondern sich der Haus- und/oder Familienarbeit inkl. Kindererziehung widmen.
Typ F bezeichnet die Berufsverläufe, die trotz längerer Suche noch offen oder perspektivarm sind. Diese Fälle müssen spätestens 1999 ihren Abschluss gemacht und somit die oft zitierte dreijährige Übergangsphase sozialwissenschaftlicher Berufskarrieren vollständig durchlaufen haben. Allen Fällen gemeinsam ist die trotzdem noch nicht erreichte berufliche Etablierung, was sich in befristeten Arbeitsverträgen, einer Bezahlung auf Honorarbasis oder durch Lehraufträge sowie in gegenwärtiger Weiterbildung oder Arbeitslosigkeit wiederspiegelt.
Typ G beinhaltet die AbsolventInnen, die nach erfolgloser Suche nach einer qualifizierten Beschäftigung inklusive Phasen von Arbeitslosigkeit, fachfremder Tätigkeiten, Gelegenheitsarbeiten und/oder befristeter Tätigkeiten den letztlich aber erfolgreichen Weg einer Umorientierung eingeschlagen haben. Umorientierung meint hier das Absolvieren einer Umschulung, die keinen Bezug zum Politikstudium hat und somit nicht den Charakter einer Weiterbildung oder Zusatzausbildung aufweist. Die Stellen, die die Befragten früher oder später im Anschluss an die Umorientierung dann auch durchweg finden, sind dementsprechend durch einen fehlenden politikwissenschaftlichen Bezug charakterisiert.
Im Typus H schließlich sind die AbsolventInnen der Jahrgänge ab 2000 versammelt, deren Karriereverlauf noch offen ist. Aus den oben erwähnten Erkenntnissen, dass eine cirka dreijährige Phase mit wechselnden und ungesicherten Arbeitsverhältnissen, Zeiten der Arbeitslosigkeit und Suche, bzw. dem Anfertigen einer Promotion für SozialwissenschaftlerInnen durchaus keine Ausnahme darstellt, ergibt sich die Überlegung, dass eine Zuordnung der jüngsten AbsolventInnenjahrgänge zum ansonsten ähnlichen Typ F nicht sinnvoll ist. Selbstverständlich gehören diesem Typ nicht alle AbsolventInnen dieser Jahrgänge an, denn es gibt auch hier schon Fälle, in denen sich die PolitologInnen etablieren konnten.
Tabelle 9: Karriereverlaufgruppen
|
|
% |
Anzahl der Nennungen |
|
A Optimaler Verlauf |
30,8% |
53 |
|
B Erfolgreich mit Zusatzqualifikation |
20,3% |
35 |
|
C Letztendlich erfolgreich |
8,7% |
15 |
|
D Wissenschaftslaufbahn |
0,0% |
0 |
|
E Familienarbeit |
2,9% |
5 |
|
F Seit langem offen oder perspektivenarm |
21,5% |
37 |
|
G Erfolgreich nach Umorientierung |
3,5% |
6 |
|
H Noch nicht etabliert |
12,2% |
21 |
|
Gesamt |
100,0% |
172 |
Frage 35. Welche Tätigkeiten haben Sie seit Studienende ausgeführt?
Ein knappes Drittel der AbsolventInnen (30,8 %,n=53) lassen sich in die Kategorie der "optimalen" Karriere einordnen, da sie wenig berufliche Wechsel vollzogen haben, aktuell eine unbefristete ausbildungsadäquate Stelle besitzen und ggf. stetig aufgestiegen sind. Der Durchschnittsverdienst liegt hier mit 47800 Euro erwartungsgemäß am höchsten von allen Gruppen. Vergleichsweise niedrig ist bei allen Befragten der Bezug der ausgeübten Tätigkeiten zum abgeschlossenen politikwissenschaftlichen Studium. Er liegt mit einem Mittel von immerhin 3,25 auf einer Fünferskala von 1 (sehr groß) bis 5 (sehrgering) für den Typ A auf einem oberen Mittelfeldplatz. Bezogen auf die Wirtschaftszweige sind die unter Typ A versammelten überdurchschnittlich oft in Organisationen ohne Erwerbscharakter und der Privatwirtschaft vertreten. 98,1 % arbeiten auf Vollzeitstellen. Männer sind in dieser Gruppe leicht über der statistischen Erwartbarkeit zu finden.
Dem Typ B, erfolgreich mit fachnahen Zusatzqualifikationen, lassen sich 20,3 % oder 35 Befragte zuordnen. Der Bruttojahresdurchschnittsverdienst dieser Gruppe lag mit 38207 Euro im oberen Mittelfeld. Erstaunlich ist jedoch, dass der politologische Bezug der Tätigkeiten in dieser Gruppe im unteren Mittelfeld bei 3,53 liegt.
Weitere 15 Befragte (8,7 %) erzielten ihren beruflichen Erfolg erst nach weniger erfolgreichen Zwischenstationen und sind somit unter Typ C zu finden. Die finanzielle Situation dieser Gruppe ist mit 38661 Euro ebenfalls im oberen Mittelfeld. Auch hier liegt der politologische Bezug bei 3,43 und somit im Mittelfeld unserer Rangliste.
Der Gruppe D (wissenschaftliche Karriere an der Hochschule) konnte keiner der Befragten zugeordnet werden. Mit 5 Befragten (2,9%) ist die Gruppe E der unter die "Hausmann- und Mutterkarriere" zu verbuchenden Fälle relativ klein. Erwartungsgemäß gering liegt auch das Bruttojahresgehalt bei 14766 Euro.
Der Gruppe der noch offenen oder perspektivarmen Befragten, die unter Typ F zusammengefasst wurden, lassen sich 21,5% (n=37) Fälle zuordnen. Da hierunter auch die in der Regel nur befristet und halbtags angestellten wissenschaftlichen Mitarbeiter an Universitäten fallen, liegt der durchschnittliche Bruttojahresverdienst bei 26162 Euro und der politologische Bezug mit einem Wert von 2,40 am höchsten.
Eine erfolgreiche völlige Umorientierung, die aber letztendlich in einen erfolgreichen Berufsweg mündete, haben 3,5% (n=6) vollzogen. Diese Gruppe verdient durchschnittlich 31223 Euro und belegt somit eine Mittelfeldplatz in der Gehaltstabelle. Wie die Einstufung "Umorientierung" bereits belegt, ist in dieser Gruppe der Studienbezug mit 4,50 am geringsten.
Und 12,2% (n=21) haben erst im Jahre 2000 ihren Abschluss in Marburg gemacht und sind darum noch in der dreijährigen Etablierungsphase. Entsprechend gering war mit 21093 Euro der Jahresdurchschnittsverdienst in dieser Gruppe.
Der Vergleich mit den Ergebnissen von 1995 legt die Vermutung nahe, dass den aktuellen Jahrgängen die berufliche Etablierung etwas besser gelungen ist als ihrer Vergleichsgruppe von vor acht Jahren, obwohl die Anzahl der damals befragten Jahrgänge und damit die Zahl der AbsolventInnen mit einem großen Abstand zum Studienabschluss höher war. Mit 21 % ließen sich 1995 10 % weniger Befragte in den optimalen Karriereverlauf (A) einordnen. Mit 13 % war dafür 1995 der Anteil derjenigen höher, deren Berufseinstieg stotternd verlief (C). Andererseits aber waren 1995 nur 16 % (aktuell im Vergleich 21,5 %) der Gruppe der noch offenen oder perspektivenarmen Berufsverläufe zuzurechnen.
6.5 Promotion
Ein Aspekt, der in der Vorgängeruntersuchung unberücksichtigt blieb, ist die Promotion als Form der (wissenschaftlichen) Weiterqualifikation. 9% oder 15 Befragte (zehn Männer und fünf Frauen) haben eine Promotion bereits erfolgreich abgeschlossen. Weitere 19,8% (n=33) arbeiteten zum Zeitpunkt der Befragung gerade daran. Bereits begonnene Promotionen wurden von acht Befragten wieder abgebrochen. 30,5% (n=51) aller Befragten haben kein aktuelles Dissertationsvorhaben, können sich für die Zukunft aber durchaus vorstellen, eine Promotion anzustreben, während eine solche für 35,9% (n= 60) nie in Frage kam.
Diejenigen, die ihre Promotion abgebrochen haben, gaben als Hauptgrund für ihren Abbruch zumeist den finanziellen Aspekt an: Zu wenige Drittmittel, finanzielle Schwierigkeiten usw. Andere wiederum beklagten den fehlenden Anschluss an Arbeitsgruppen. Wieder andere setzten aufgrund zu vieler Jobs oder einer Vollzeit- oder Festanstellung das Promotionsvorhaben aus.
Tabelle 10: Promotion
|
|
% |
Anzahl der Nennungen |
|
habe ich erfolgreich abgeschlossen |
9,0% |
15 |
|
ist zur Zeit in Arbeit |
19,8% |
33 |
|
habe ich begonnen, dann aber abgebrochen |
4,8% |
8 |
|
kann ich mir für die Zukunft vorstellen |
30,5% |
51 |
|
habe ich nie erwogen |
35,9% |
60 |
|
Gesamt |
100,0% |
167 |
Frage 37.: "Eine Promotion zur wissenschaftlichen Weiterqualifikation..."
Eine abgeschlossene Doktorarbeit bedeutet nicht unbedingt größeren beruflichen Erfolg, wenn man diesen ausschließlich unter finanziellen Aspekten bemisst. Vielmehr lässt sich feststellen, dass der berufliche Erfolg, definiert durch das Bruttojahresgehalt, unabhängig oder sogar entgegengesetzt zur Promotion erreicht worden ist. Interessanterweise verfügt die Gruppe derer, die angeben, ihre Promotion abgebrochen zu haben, mit 46857 Euro über den höchsten durchschnittlichen Bruttojahresverdienst und unterscheiden sich damit statistisch signifikant von den übrigen Gruppen. Als Begründung lässt sich vermuten, dass das Promotionsvorhaben aufgrund eines attraktiven Stellenangebotes aufgegeben wurde. An zweiter Stelle steht die Gruppe derjenigen, die nie eine Promotion erwogen haben, mit 41178 Euro. Promovierte PolitologInnen verdienen dagegen im Schnitt nur 35857 Euro. Noch kleiner ist (aufgrund der Vielzahl an Teilzeitstellen und Stipendien) erwartungsgemäß der Durchschnittsverdienst der Gruppe der DoktorandInnen mit 26405 Euro.
Von den 33 PolitologInnen, die aktuell an ihrer Dissertation schreiben, sind 26 angestellt (15 davon im Hochschulbereich) und eine/r selbstständig erwerbstätig. Lediglich sechs geben dagegen die Promotion als gegenwärtige hauptsächliche Tätigkeit an; von diesen sechs ist die Hälfte beim Arbeitsamt arbeitslos gemeldet.
Dieser Befund gibt einen ersten Hinweis darauf, dass die ausschließliche Bewertung des beruflichen Erfolgs der Berufslaufbahnen von PolitikwissenschaftlerInnen anhand des Einkommens zu kurz greift. Ähnlich der im Abschnitt zum Studienrückblick festgestellten unterschiedlichen Studienmotivationen (eher berufs- vs. eher bildungsorientiert) scheint ein erheblicher Anteil der AbsolventInnen niedrige Einkommen, Teilzeitstellen, Stipendien und sogar Arbeitslosigkeit in Kauf zu nehmen, um damit nach dem ersten Abschluss zumindest temporär noch im Wissenschaftssystem und damit fachnah verbleiben zu können: Die Vergleichsgruppe dagegen "bezahlt" ihre vergleichsweise bessere finanzielle Situation, wie weiter unten noch zu zeigen sein wird, mit dem fast völlig fehlenden Studienbezug ihrer Tätigkeiten.
6.6 Internationale Mobilität
Eine neu aufgenommene Frage erfasst die internationale Mobilität der Politik-AbsolventInnen. Immerhin rund ein Drittel hat zum Zeitpunkt der Befragung internationale Elemente in der Berufsbiographie aufzuweisen: Jeweils knapp 5 % geben an, derzeit im Ausland zu arbeiten bzw. eine längere Phase im Ausland gearbeitet zu haben. Weitere 22 % unternehmen gelegentliche Dienstreisen ins Ausland. Die internationale Mobilität wirkt sich auch finanziell positiv aus: Für die drei Gruppen lassen sich in der genannten Reihenfolge durchschnittliche Bruttojahresgehälter von 44760 €, 44687 € und 43612 € ermitteln. Die international nicht mobile Vergleichsgruppe verdient mit 34119 € signifikant weniger.
Tabelle 11: Erwerbstätigkeit im Ausland
|
|
% |
Anzahl |
Durchschnittsverdienst in € |
|
Arbeite derzeit im Ausland |
4,8% |
8 |
44760 |
|
Habe länger im Ausland gearbeitet |
4,8% |
8 |
44687 |
|
Arbeite gelegentlich im Ausland |
22,1% |
38 |
43612 |
|
Keine Berufserfahrung im Ausland |
68,0% |
117 |
34419 |
|
Gesamt |
100,0% |
171 |
37523 |
Frage 51. Haben Sie seit Ihrem Studienabschluss beruflich eine Zeit im Ausland verbracht?
Die Marburger PolitologInnen sind damit weitaus international mobiler als der Durchschnitt ihrer bundesdeutschen KommilitonInnen, wie ein Vergleich mit der Europäischen Hochschulabsolventenstudie ergibt, die das Wissenschaftliche Zentrum für Berufs- und Hochschulforschung der Universität Kassel in den Jahren 1999-2001 unter knapp 40.000 europäischen HochschulabsolventInnen des Abschlussjahrgangs 1995 durchführte: Von den AbsolventInnen deutscher Hochschulen sind insgesamt nur 12 % beruflich international mobil (2 % derzeit im Ausland erwerbstätig, 3 % früher im Ausland erwerbstätig, 7 % in Form gelegentlicher Dienstreisen), betrachtet man nur die Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, sind es sogar nur 9 %. (Jahr, Schomburg, Teichler 2003: 30f.).
7. Derzeitige berufliche Situation
7.1 Überblick
Zunächst soll ein allgemeiner Überblick über die derzeitige berufliche Situation der Absolventinnen und Absolventen gegeben werden. Dazu wurden diese nach ihrer gegenwärtigen Haupttätigkeit und ihrem Beschäftigungsbereich gefragt.
Im Bereich des traditionellen Arbeitsmarktes sind 83 % der Befragten untergekommen, wobei 79,1 % (n=136) als Beschäftigte angestellt sind und 2,9 % (n=5) sich derzeit in einer Ausbildung oder einem Praktikum befinden. Weitere 7,6 % (n=13) sind selbstständig bzw. freiberuflich tätig. Hauptsächlich an ihrer Promotion arbeiten derzeit 3,5 % (n=6) der befragten Absolventinnen und Absolventen. Nicht erwerbstätig und arbeitssuchend sind 4,7 % (n=8). Interessant ist, dass bei der expliziten Frage danach, ob sie aktuell beim Arbeitsamt arbeitslos gemeldet sind, 7,1% diese Frage mit ja beantwortet haben. Man kann also annehmen, dass einige der PromovendInnen einem Arbeitsangebot folgen und ihre Doktorarbeit aufgeben würden.
Der Anteil der Vollzeit- (77,6 %) bzw. Teilzeit-Beschäftigten (22,4 %) liegt im Rahmen der Studie von 1995. Mit einem Anteil von 26,2% sind Frauen leicht überproportional Teilzeit beschäftigt. 61,3 % der Befragten geben an, ihre jetzige Stelle sei unbefristet. 31 % haben eine befristete Stelle inne. Für 7,7 % trifft keine der beiden Optionen zu, da sie selbstständig oder anderweitig erwerbstätig sind. Insgesamt konstatieren 39 % einen großen (25 %) oder sehr großen (14 %) Bezug ihrer Tätigkeit zum Studium, aber auch fast die Hälfte einen geringen (21 %) oder sehr geringen (26 %).
Die bereits 1995 festgestellten Einkommensunterschiede zwischen den Geschlechtern lassen sich auch in der aktuellen Befragung nachweisen: Das durchschnittliche Bruttojahreseinkommen der politikwissenschaftlichen Absolventinnen und Absolventen der Philipps-Universität Marburg beträgt 37523 Euro, wobei die Frauen 35614 Euro und die männlichen Absolventinnen und Absolventen 38909 Euro verdienen. Berücksichtigt man nur die Vollzeit-Erwerbstätigen, liegt der Wert für die Frauen mit 41446 € knapp 5 % unter dem der Männer mit 43387 €, wobei dieser Unterschied nicht signifikant im statistischen Sinne ist. Getrennt nach Studiengängen erweisen sich die Diplom-AbsolventInnen (38763 Euro) als finanziell signifikant erfolgreicher als die Magister-AbsolventInnen (33180 Euro). Getrennt nach den jeweiligen Pflichtwahlfächern des Diplomstudiengangs lassen sich sogar noch größere Differenzen feststellen: So liegt der Bruttojahresdurchschnittsverdienst der PolitologInnen mit dem Nebenfach Volkswirtschaftslehre mit 46695 Euro am höchsten, gefolgt von Rechtswissenschaft mit 40715 Euro. Im Vergleich dazu liegt der durchschnittliche Verdienst derjenigen mit Nebenfach Soziologie mit 31657 signifikant niedriger. Dies liefert einen weiteren Beleg für die oben propagierte These der unterschiedlichen Einstellungen zur Berufsorientierung und Karriere, kann doch das Wahlpflichtfach Soziologie eher dem Bildungstyp, VWL und Jura hingegen eher dem Karrieretyp zugerechnet werden.
Auf die Frage nach dem Bereich der Beschäftigung antworten 33,5% (n=52), sie seien im öffentlichen Sektor tätig. In Organisationen ohne Erwerbscharakter stufen sich 16,8% (n=26) der Befragten ein. Mit 41,9% (n=65) gibt die Mehrheit eine Tätigkeit in der Privatwirtschaft als Beschäftigungsbereich an. Weitere 5,8% (n=9) sind selbstständig.
Tabelle 12: Bereich der Beschäftigung
|
|
% |
Anzahl der Nennungen |
|
Privatwirtschaft |
41,9% |
65 |
|
Öffentlicher Sektor |
33,5% |
52 |
|
Organisationen ohne Erwerbscharakter |
16,8% |
26 |
|
Selbständig/ freiberuflich-tätig |
5,8% |
9 |
|
Sonstiges |
1,9% |
3 |
|
Gesamt |
100,0% |
155 |
Frage 40. In welchem Bereich arbeiten Sie? (bitte nur eine Angabe)
Ausgesprochene Männer- oder Frauen-Domänen lassen sich dabei nicht identifizieren: So liegt der Frauenanteil im Bereich der Privatwirtschaft mit 37 % nur geringfügig unter dem Gesamtanteil weiblicher Befragter in der Studie mit 42 %.
Mit einem durchschnittlichen Bruttojahresgehalt von 44254 € wird in der Privatwirtschaft am meisten verdient. An zweiter Stelle liegen die Verdienstmöglichkeiten im Bereich der Selbständigen und freiberuflich Tätigen mit 35100 Euro. Die Gehälter bei den Organisationen ohne Erwerbscharakter mit 32936 Euro und im öffentlichen Sektor mit 32409 € liegen nahe beieinander. Diese Einkommensunterschiede werden durch die unterschiedlichen Anteile an Teilzeit-Beschäftigung in den verschiedenen Bereichen (von 38 % im Öffentlichen Sektor bis 9 % in der Privatwirtschaft) nur zum Teil relativiert.
Im Bereich des Öffentlichen Sektors sind fast zwei Drittel der Stellen (n=34) befristet (in der Regel Stellen im Hochschulbereich, die der Weiterqualifikation dienen). Umgekehrt verhält es sich bei den Organisationen ohne Erwerbscharakter und in der Privatwirtschaft. Hier sind 73 % (n=19) bzw. 88 % (n=57) unbefristet angestellt.
Die günstigen Rahmenbedingungen (in der Regel Vollzeit, unbefristet, guter Verdienst) im Bereich der Privatwirtschaft werden jedoch erkauft mit einem fast völlig fehlenden Bezug der Tätigkeiten zum abgeschlossenen Studium der Politikwissenschaft: Mehr als zwei Drittel konstatieren dort auf einer Fünferskala einen sehr geringen (n=28) oder geringen (n=15) Studienbezug, gegenüber weniger als einem Fünftel mit einem großen (n=11) oder sehr großen (n=1) Studienbezug. In den anderen Beschäftigungsbereichen berichten immerhin jeweils deutlich mehr als die Hälfte der Befragten (54 - 56 %) von einem großen oder sehr großen Studienbezug.
Die Verwendung einer identischen Frage ermöglicht auch an dieser Stelle einen Vergleich zur Europäischen Hochschulabsolventenstudie. Für die SozialwissenschaftlerInnen existiert eine Sonderauswertung (Schomburg 2002). Vergleicht man die dort ausgewiesenen 135 AbsolventInnen sozialwissenschaftlicher Fächer an deutschen Hochschulen mit den Ergebnissen der Marburger Befragung, fällt auf, dass der Anteil der im Öffentlichen Sektor Beschäftigten mit 34 % identisch ist. Dagegen sind deutlich mehr Marburger AbsolventInnen in der Privatwirtschaft (41 gegenüber 37 %) und in Organisationen ohne Erwerbscharakter (17 gegenüber 8 %) tätig, dafür deutlich weniger selbstständig bzw. freiberuflich (6 gegenüber 17 %). Bereits 1995 konnte für die Marburger AbsolventInnen im Vergleich zu den Berliner KommilitonInnen festgestellt werden, dass sie häufiger im traditionellen Arbeitsmarkt vertreten waren, was auf eine spezifische Marburger Ausprägung des allgemeinen sozialwissenschaftlichen Verbleibsprofils hindeutet.
7.2 Qualifikationsverwendung
Ein wichtiger Punkt der Verbleibsforschung ist, inwieweit die im Studium erworbenen Kenntnisse und Fähigkeiten im Berufsleben Verwendung finden. Im Falle der Politikwissenschaft ist hier wie für andere Geisteswissenschaften relativierend festzuhalten, dass die berufliche Verwertbarkeit des Studiums im Vergleich mit anwendungsorientierten Studiengängen nur eingeschränkt gegeben und letztlich auch weder beabsichtigt, noch von der Mehrheit der Studierenden gewollt ist. In der zweiten Marburger AbsolventInnenbefragung wurde die Frage der Qualifikationsverwendung in dreifacher Hinsicht thematisiert:
So geben mit 77,9 % fast vier Fünftel der Befragten an, dass für die Aufnahme ihrer aktuellen Tätigkeit ein Hochschulabschluss nötig war. Dieser hohe Wert überrascht in positiver Hinsicht. Er zeigt, dass sich ein Hochschulstudium für die übergroße Mehrheit der PolitologInnen gelohnt hat, und zwar nicht nur in finanzieller Hinsicht, sondern im Hinblick auf die Qualität der ausgeübten Tätigkeiten. Dem immer wieder kolportierten, durch empirische Untersuchungen aber nicht gestützten Vorurteil vom taxifahrenden Politologen sollte nunmehr endgültig der Boden entzogen sein.
Dagegen war die formale Qualifikation als "zertifizierte/r" PolitikwissenschaftlerIn nur für 11,7 % der Befragten Voraussetzung für ihre derzeitige Tätigkeit. Dieses Ergebnis erklärt sich aber durch das fehlenden Berufsbild des Studiums. Stellenausschreibungen, die sich explizit an PolitologInnen richten, existieren außerhalb des Bereichs Hochschule eben so gut wie nicht.
Ein positiveres Bild zeigt sich dagegen, wenn nach den fachlichen Qualifikationen in Form relevanter Studieninhalte gefragt wird. Diese waren für immerhin 41,9 % der Befragten nötig, um ihre aktuelle Stelle anzutreten. Es gelingt den Marburger PolitikwissenschaftlerInnen hier offenbar recht erfolgreich, auf dem Arbeitsmarkt mit ähnlichen Qualifikationsprofilen der AbsolventInnen verwandter Fächer wie Soziologie, Psychologie und Volkswirtschaftslehre in Konkurrenz zu treten. Wie oben bereits gezeigt, variiert der Studienbezug in den einzelnen Beschäftigungsbereichen aber sehr stark.
7.3 Wirtschaftszweig
Um den Berufsverbleib mit den Ergebnissen der Studie von 1995 vergleichen zu können, wurde auch die damalige Frage nach dem Wirtschaftszweig der derzeitigen Tätigkeit in den Fragebogen aufgenommen, die die Beschäftigungsbereiche noch feiner ausdifferenziert.
Tabelle 13: Wirtschaftszweig
|
|
% |
Anzahl der Nennungen |
|
Wirtschaft (Industrie, Unternehmen) |
22,6% |
35 |
|
Medien |
16,1% |
25 |
|
Universität, Forschungseinrichtung |
14,2% |
22 |
|
Öffentliche Verwaltung |
11,0% |
17 |
|
Öffentliche/ soziale Dienstleistungen |
9,7% |
15 |
|
Parteien |
6,5% |
10 |
|
Verbände, Stiftungen, Gewerkschaften |
7,8% |
12 |
|
Selbständige/ private Dienstleistungen |
3,9% |
6 |
|
Verlage |
3,2% |
5 |
|
Sonstiges |
4,6% |
12 |
|
Gesamt |
100,0% |
155 |
Frage 41. In welchem Wirtschaftszweig sind Sie tätig? (bitte nur eine Angabe)
Danach arbeiten aktuell 22,6 % der Befragten (n=35) in der Privatwirtschaft im engeren Sinn (Industrie, Unternehmen), gefolgt von 16,1 % (n=25) im Bereich der Medien Tätigen. An Hochschulen oder Forschungseinrichtungen haben 14,2 % (n=22) eine Stelle inne, in der übrigen Öffentlichen Verwaltung 11,0 % (n=17). Knappe 10 % sind im Bereich der öffentlichen bzw. sozialen Dienstleistungen (inkl. Erwachsenenbildung) beschäftigt, weitere 7,8 % bei Verbänden, Stiftungen (5,2 %) oder Gewerkschaften (2,6 %). 6,5 % arbeiten bei Parteien und 3,9 % im Bereich selbstständiger Dienstleistungen mit sozialwissenschaftlichem Bezug. Verlage sind das Tätigkeitsfeld für 3,2 % der Befragten, die restlichen knapp 5 % verteilen sich auf die übrigen Wirtschaftszweige (Handel, Freizeit-Infrastruktur, sonstiges).
Frauen sind überproportional im Bereich Universität/Forschung vertreten, Männer in den Bereichen Öffentliche Dienstleistungen, Medien und Öffentliche Verwaltung. In den übrigen Wirtschaftszweigen entspricht die Geschlechterverteilung der statistisch erwartbaren Häufigkeit (Industrie/Unternehmen, Parteien, Verbände) oder es lassen sich aufgrund der geringen Fallzahl keine gesicherten Aussagen treffen.
Mit einem durchschnittlichen Bruttojahreseinkommen von 47330 € sind die in der Industrie beschäftigten AbsolventInnen die Spitzenverdiener. Etwa 5000 € weniger werden in den Bereichen Medien und Parteien verdient. Die öffentliche Verwaltung mit 38100 € und die Verbände mit 30850 € bilden das Mittelfeld. Schlusslicht sind die Universitäten mit 26150 € und die öffentlichen Dienstleistungen mit 25280 €.
Zumindest für die Universitäten erklärt sich dies zum größten Teil aus dem mit 64 % mit Abstand höchsten Anteil an Teilzeitbeschäftigten. Im Bereich der selbstständiger Dienstleistungen ist die Hälfte der AbsolventInnen, in den Bereichen Verbände und öffentliche Dienstleistungen jeweils etwa ein Drittel teilzeitbeschäftigt, wogegen in Industrie, Medien, Parteien und Öffentlicher Verwaltung ein Vollzeitarbeitsverhältnis der Regelfall ist.
Etwas anders sind die Ergebnisse für die Dauer der Beschäftigungsverhältnisse: Lediglich befristet beschäftigt sind 87 % der Befragten im Bereich Universität und 40 % im Bereich öffentlicher Dienstleistungen, aber auch 35 % in der öffentlichen Verwaltung und 24 % in den Medien. Ein unbefristetes Arbeitsverhältnis als Regelfall findet sich in der Industrie, bei Parteien und in Verbänden.
Eine große Kluft zwischen den verschiedenen Wirtschaftszweigen lässt sich bei der Frage nach dem Studienbezug der Tätigkeiten feststellen: Während bei den selbstständigen Dienstleistungen, Verbänden, Parteien und in Universität/Forschung jeweils etwa zwei Drittel der Befragten ihrer Tätigkeit einen großen oder sehr großen politikwissenschaftlichen Bezug attestieren, trifft dies für Medien, öffentliche Dienstleistungen und Industrie nur für ein Drittel oder sogar deutlich weniger Befragte zu. Im Mittelfeld bewegt sich lediglich die Öffentliche Verwaltung.
Vergleicht man die Gesamtzahlen mit den Ergebnissen der Vorgängerstudie von 1995, lassen sich eine Reihe kleinerer bis mittlerer Veränderungen bei einem ansonsten ähnlichen Verbleibsprofil feststellen: Gegenüber 1995 (damals 15,1 %) hat die Bedeutung der Privatwirtschaft als Arbeitgeber für die Marburger PolitologInnen deutlich zugenommen. Sie lösen sogar die Medien auf dem Spitzenplatz ab. Bereits damals war der Wert, verglichen mit den Ergebnissen für die Berliner OSI-AbsolventInnen, relativ hoch und wurde als spezifische Marburger Ausprägung des allgemeinen politikwissenschaftlichen Verbleibsprofils interpretiert. In dem nochmaligen Anstieg ist die Hauptursache zu sehen für die oben bereits ausgeführte Tendenz zur Verbesserung der Rahmenbedingungen bei gleichzeitig zurück gehendem Studienbezug. Auch die Medien konnten gegenüber 1995 einen leichten Anstieg verzeichnen. Sie bilden mit der Wirtschaft allerdings das Schlusslicht, was den Studienbezug der Tätigkeiten angeht. Während 1995 der Bereich der Parteien und Parlamente mit 3 % überraschend bedeutungslos war, hat sich der prozentuale Anteil der hier Beschäftigten aktuell mehr als verdoppelt. Weiterhin bedeutungslos dagegen ist für die Marburger AbsolventInnen (im Gegensatz zu Berlin) der Bereich der internationalen Organisationen mit gerade einmal einer Nennung geblieben. Deutlich weniger AbsolventInnen als 1995 sind im Bereich der Verbände (damals 13 %) und Gewerkschaften (damals 4 %) untergekommen. Zusammengenommen hat sich ihr Anteil in der aktuellen Befragung mehr als halbiert. Die Werte für die übrigen Wirtschaftszweige sind mehr oder weniger konstant geblieben.
7.4 Zufriedenheit
Mit ihrer derzeitigen beruflichen Tätigkeit sind 23,5 % (n=40) der Befragten sehr zufrieden und 51,2 % (n=87) überwiegend zufrieden. Lediglich 12,4 % sind unzufrieden oder sehr unzufrieden mit ihrer aktuellen beruflichen Situation. Hinsichtlich ihrer derzeitigen finanziellen Situation äußert sich genau die Hälfte der Befragten auf einer Fünferskala zufrieden oder sehr zufrieden, 17 % dagegen unzufrieden oder sehr unzufrieden. Deutlich weniger positiv werden die Aufstiegchancen bewertet: Diese schätzen nur 43 % als positiv oder sehr positiv ein, rund ein Viertel dagegen als schlecht oder sehr schlecht.
Jeweils knapp drei Viertel der Marburger PolitologInnen sind persönlich und insgesamt zufrieden oder sehr zufrieden mit ihrer aktuellen Lebenssituation.
Analysiert man die Berufszufriedenheit in den einzelnen Wirtschaftszweigen, erhält man teilweise überraschende, wenn auch statistisch nicht signifikante Ergebnisse: So ist die Zufriedenheit mit den beruflichen Tätigkeiten durchweg hoch, sie bewegt sich für beinahe alle Bereiche um den Wert 2 auf einer Fünferskala. Positiv sticht der Bereich Universität/Forschung ab, was nicht überraschen kann, negativ dagegen lediglich der Bereich öffentlicher Dienstleistungen sowie die nicht-akademischen Tätigkeitsfelder (Freizeit-Infrastruktur). Auch was die finanzielle Zufriedenheit angeht, liegen die nicht-akademischen Tätigkeitsfelder und die öffentlichen Dienstleistungen sowie die Verlage am Ende der Skala, überraschenderweise aber mit Industrie/Unternehmen auch der Bereich mit dem höchsten Durchschnittseinkommen. Die hier Beschäftigten haben offensichtlich höhere Maßstäbe, was ihren finanziellen Erfolg angeht. Finanziell am zufriedensten sind die PolitikwissenschaftlerInnen, die in Parteien, Verbänden und den Medien arbeiten. Insgesamt lassen sich zwischen finanzieller Zufriedenheit und Einkommenshöhe mittlere bis geringe, aber durchweg sehr signifikante Korrelationen feststellen.
8. Zusammenfassung
Der Arbeitsmarkt für Sozialwissenschaftler im allgemeinen und Politikwissenschaftler im besonderen sieht derzeit relativ günstig aus. Einerseits ähnelt ihr Berufseinstieg inzwischen immer mehr dem anderer Studienrichtungen (der Berufseinstieg über Zwischenstationen, der für Politikwissenschaft einst charakteristisch war, ist inzwischen für viele Fächer der Regelfall), andererseits hat sich die Lücke zwischen akademischem Arbeitsmarkt und dem Arbeitsmarkt für niedriger Qualifizierte zugunsten der Akademiker vergrößert (Schomburg, Teichler, Doerry und Mohr 2001).
Die zweite Marburger Berufsverbleibsstudie für die Abschlussjahrgänge 1993 bis 2000 bestätigt zu großen Teilen die Ergebnisse der Vorgängerbefragung für 1995 und liefert zugleich Hinweise auf eine gestiegene berufliche Etablierung der AbsolventInnen. Die Zahlen der aktuellen Studie stellen eine endgültige Entwarnung für die Befürchtung dar, studierte PolitikwissenschaftlerInnen müssten ihre berufliche Existenz als Taxifahrer fristen: Fast vier Fünftel haben eine studienadäquate Tätigkeit inne, für die ein Hochschulabschluss Voraussetzung ist, etwa die Hälfte übt Tätigkeiten mit Studienfachbezug aus. Ausbildungsadäquate Tätigkeiten mit angemessener Bezahlung sind die Regel, die Arbeitslosigkeit liegt unter dem bundesweiten Durchschnitt und ist mit anderen akademischen Professionen vergleichbar. Die Bedeutung der Privatwirtschaft als Arbeitsmarkt für PolitologInnen hat weiter zugenommen. Den höchsten Durchschnittseinkommen hier steht aber der geringste Bezug zu den Studieninhalten entgegen. Auch im Medienbereich lassen sich in der Mehrzahl etablierte, gut dotierte Beschäftigungsverhältnisse bei allerdings ebenfalls geringem Studienbezug beobachten. Verglichen mit den Berliner Politik-Absolventen scheint der große Anteil etablierter, aber studienfern beschäftigter Politologen ein Marburger Charakteristikum darzustellen. Gute Rahmenbedingungen, hohen Studienbezug und eine gute Bezahlung vereinen die PolitikwissenschaftlerInnen in den Verbänden, Gewerkschaften und Parteien auf sich. Es ist außerdem ein Indikator für die vom Mainstream abweichenden Präferenzen zahlreicher PolitologInnen, dass sich trotzdem viele für den "steinigeren" Weg entscheiden, zumindest zeitweise im Bereich der Wissenschaft zu verbleiben.
Was die retrospektiven Fragen angeht, lässt sich ebenfalls eine hohe Konstanz der zweiten Marburger AbsolventInnenbefragung bezogen auf die Vorgängerstudie feststellen. Insgesamt herrscht rückblickend Zufriedenheit mit der Studienentscheidung vor – mehr als drei Viertel der Befragten würden sich wieder für ein politikwissenschaftliches Studium entscheiden, die große Mehrheit davon auch in Marburg.
Mehrere Indikatoren lassen sich für die These finden, dass unter den Studierenden zwei (idealtypische) Gruppen mit unterschiedlichen Herangehensweisen an das Studium existieren: einerseits diejenigen, die ihr Studium vom persönlichen Bildungsaspekt her gestalten, und andererseits solche, die ihr Studium im Hinblick auf ihre spätere Berufstätigkeit betreiben. Letztere weisen trotz absolvierter Berufspraktika kürzere Studienzeiten auf und verdienen im Anschluss ans Studium mehr. In der Berufszufriedenheit im Anschluss an das Studium unterscheiden sich beide nicht, es existieren offensichtlich unterschiedliche Maßstäbe. Die positive berufliche Situation der großen Mehrheit der Marburger PolitologInnen, auch im Vergleich zur Vorgängerbefragung, lässt sich somit teilweise damit erklären, dass das Ausmaß dieser berufsorientierten Einstellung unter den Studierenden in den vergangenen acht Jahren zugenommen hat, korrespondierend mit der zwischenzeitlichen Einführung verpflichtender Berufspraktika in der Studienordnung. Mit Windolf (1992) lässt sich vermuten, dass diese unterschiedlichen Präferenzen schon bei den StudienanfängerInnen (individuell in je unterschiedlicher Ausprägung) gegeben sind. Eine falsche Kausalität steckt daher in der Formulierung, dass eine Vielzahl an Berufspraktika und ein zügiges Studium die Berufschancen verbessern; vielmehr sind diese Kennzeichen der Herangehensweise derjenigen AbsolventInnen an ihr Studium, die im Anschluss auch auf dem Arbeitsmarkt zielstrebiger sind. Ein nicht unbeträchtlicher Teil lehnt dies aber explizit ab bzw. hat andere Prioritäten, was Karriere und Verdienst angeht, und auch diese Einstellung sollte respektiert werden. Gerade der Verbleib im System Wissenschaft bedeutet oft jahrelange Unsicherheit und Verzicht auf finanziellen Erfolg, der aber durch die fachnahen Tätigkeitsinhalte und großen Freiräume aufgefangen wird und die hier Beschäftigten nicht unzufriedener sein lässt als die Vergleichsgruppen, zumal in der Regel die Option offen steht, den individuell definierten beruflichen Erfolg im Anschluss an die wissenschaftliche Weiterqualifikation nachzuholen.
Um Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt für PolitikwissenschaftlerInnen nicht nur im Abstand vieler Jahre als Momentaufnahme einzufangen, wäre eine Institutionalisierung von Verbleibsstudien als ein Baustein eines umfassenden Systems der Selbstevaluierung wünschenswert, beispielsweise in Form regelmäßiger Befragungen der Abschlussjahrgänge drei Jahre nach Studienende oder als Paneluntersuchung einer Gruppe von AbsolventInnen zu verschiedenen Zeitpunkten. Gerade in einem sozialwissenschaftlichen Fach, in dem die praktische Einübung von Methoden Teil des Lehrplans ist, sollte ein solches Untersuchungsdesign möglich sein.
9. Literatur
Bundesanstalt für Arbeit (Hg.): Blätter zur Berufskunde: Politologin/Politologe
Burkhardt, Anke, Harald Schomburg und Ulrich Teichler 2000: Hochschulstudium und Beruf – Ergebnisse von Absolventenstudien. Bonn: BMBF
Butz, Bert 1997: Flexible Allrounder: Wege in den Beruf für PolitologInnen. Ergebnisse einer AbsolventInnenbefragung am Institut für Politische Wissenschaft der Universität Hamburg 1997. Hamburg: LIT
Jahr, Volker and Ulrich Teichler 2002: Employment and Work of Former Mobile Students. In: Ulrich Teichler (ed.): ERASMUS in the SOCRATES Programme - Findings of an Evaluation Study, Bonn: Lemmens
Jahr, Volker, Harald Schomburg und Ulrich Teichler 2002: Mobilität von Hochschulabsolventinnen und -absolventen in Europa. In: Lutz Bellmann, Johannes Velling (Hrsg.): Arbeitsmärkte für Hochqualifizierte. Beiträge zur Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (BeitrAB 256), Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesanstalt für Arbeit (IAB)
Jahr, Volker 2001: Politikwissenschaft als Beruf? In: Wolfgang Hecker, Joachim Klein, Hans K. Rupp (Hrsg.): Politik und Wissenschaft. 50 Jahre Politikwissenschaft in Marburg. Zur Geschichte des Instituts, Münster: LIT
Jahr, Volker 1995: Marburger PolitologInnen auf dem Arbeitsmarkt. Eine empirische Untersuchung über Studiengestaltung, Berufseinmündung und Berufsverbleib der AbsolventInnenjahrgänge 1980 bis 1993. Marburg
Kromrey, Helmut 1999: Diplom-Soziologie - und was dann? Eine Befragung von Berliner Absolventinnen und Absolventen über Berufseintritt und beruflichen Werdegang (Werkstattbericht), http://userpage.fu-berlin.de/~ifs/bds/downloads.html
Minks, Karl-Heinz und Bastian Filaretow 1993: Absolventenreport Sozialwissenschaften. Bonn: BMBF
Rössle, Tim 1995: Berufseinmündung und Berufsverbleib Berliner PolitologInnen. Frankfurt: dipa
Schomburg, Harald 2002: Jung und erfolgreich? Sozialwissenschaftlerinnen und Sozialwissenschaftler in Europa – Ergebnisse der Europäischen Hochschulabsolventenstudie. In: Sozialwissenschaften und Berufspraxis 1-2/2002. Opladen: Leske+Budrich
Schomburg, Harald, Ulrich Teichler, Martin Doerry und Joachim Mohr (Hg.) 2001: Erfolgreich von der Uni in den Job. Die große Absolventenstudie. Regensburg: Fit for Business
Teichler, Ulrich and Volker Jahr 2001: Mobility During the Course of Study and After Graduation. In: European Journal of Education, Vol 36, No. 4
Windolf, Paul 1992: Fachkultur und Studienfachwahl. Ergebnisse einer Befragung von Studienanfängern. In: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie (KZfSS), Nr.44, S. 76-98
10. Anhang: Von Abgeordnetenmitarbeiterin bis Zeitungsvolontär – 152 Marburger PolitikwissenschaftlerInnen im Beruf
Abgeordnetenmitarbeiterin
Abteilungsleiter
Agendabeauftragter, Organisation des lokalen Agenda 21-Prozesses
Altenpfleger
Assistent FH, Gebiet: Hochschulentwicklung
Berater des Justice and Peace, Uganda
Beraterin des Fraktionsvorstandes der PDS-Bundestagsfraktion
Beratung und Öffentlichkeitsarbeit
Beratungsreferent
Berufsberater Hochschulteam
Betriebsratsassistent
Bildarchivar
Bildungsmanager
Bildungsreferent
Bildungsreferentin
Buchhändler
Büroleiter
Communication+Marketing Manager
Consultant
Consultant Financial Services / Asset Management
Diplom-Bibliothekarin
Diplom-Rechtspflegerin
Diplom-Verwaltungswirt im Praktikum
Dozentin
Dozentin und Trainerin für Wendo-Selbstbehauptung
EDV-Berater / Senior Consultant
Erzieher
Evaluationsbeauftragter Fachhochschule
Fachmann für Absatzmarketing
Fachreferent des Betriebsrats
Fachreferentin
Fachreferentin Entwicklungspolitik
Fernsehredakteurin
Fondsanalystin
Fraktionsgeschäftsführer
Frauenbeauftragte
Freie Journalistin
Freier Journalist
Geschäftsführung
Hausfrau, Mutter
Heilerziehungspfleger
Hörfunkjournalistin
HTML-Consultant
Im politischen Verband tätig
IT-Consultant
IV-Fachkoordinatorin
Journalist
Jugendbildungsreferent
Jugendbildungsreferentin
Jugendbildungsreferentin
Junior-Rating-Analystin
Kaufmännischer Angestellter als Redaktionsassistent
Konzepter/Projektleiter
Koordinatorin eines Graduiertenkollegs
Kraftfahrer
Kreisarchivangestellter
Landesjugend- und Landesfrauensekretärin
Leiter Personalentwicklung
Manager Scientific Information
Marketing Manager
Marketing Manager
Marketingleiter
Master of Business Administration
Medien-Personalberater
Mitarbeiterin im Amt der Kommunalen Frauenbeauftragten
Pädagogische Mitarbeiterin
Pädagogischer Mitarbeiter
Pädagogischer Mitarbeiter
Pädagogischer Mitarbeiter
Personalberater
Personaltrainerin
Persönlicher Referent
Political Consultant
PR-Berater
PR-Beraterin
PR-Beraterin
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Presse- und Öffentlichkeitsreferentin
Pressereferent
Pressereferent
Pressereferent der SPD-Bundestagsfraktion
Pressereferentin
Pressesprecher
Pressesprecher bei der Deutschen Post für vier Bundesländer
Pressesprecher, Bau- und Verkehrsministerium Brandenburg
Pressesprecherin
Privatdozent im Bereich Erwachsenenbildung
PR-Juniorberater
PR-Manager
Projektkoordinator
Projektmanager
PR-Referent
Public Relations-Beraterin
Rechtsanwalt
Rechtsreferendar
Redakteur
Redakteur
Redakteur
Redakteur
Redakteur
Redakteur
Redakteurin
Redakteurin
Redakteurin
Redaktionsleiter
Referat Koordination
Referatsleiterin für Europaangelegenheiten
Referent
Referent
Referent
Referent in Staatskanzlei
Referentin für Presse - und Öffentlichkeitsarbeit
Referentin Kommunikation
Ressortleiter Direktbank
Restaurantleiter
Sachbearbeiterin Vertrieb Inland
Scientific Officer, Europäische Kommission
Selbständiger Wissenschaftler, Bereich Wissenschaft und Dokumentation
Senior-Consult public sector
Sportredakteur
Standortleiterin eines Beratungsunternehmens
Stellv. Chefredakteur
Stellv. Pressesprecher
Studienberaterin
Studienrätin im Hochschuldienst für Politikwissenschaft
Training Coordinator
Tresenfachkraft
Universitätsassistent
Unternehmens- und Politikberaterin im Telekommunikationsbereich
Versandhandel - Einkäufer
Volontär
Volontärin
Wirtschaftsredakteurin
Wissenschaftlicher Mitarbeiter bei MdL
Wissenschaftliche Angestellte
wissenschaftliche Bedienstete
Wissenschaftlicher Angestellter
wissenschaftlicher Angestellter
Wissenschaftlicher Mitarbeiter
Wissenschaftlicher Mitarbeiter
Wissenschaftlicher Mitarbeiter
Wissenschaftlicher Mitarbeiter
wissenschaftlicher Mitarbeiter
wissenschaftlicher Mitarbeiter
Wissenschaftlicher Mitarbeiter
Wissenschaftlicher Mitarbeiter
Wissenschaftlicher Mitarbeiter
Wissenschaftlicher Mitarbeiter
Wissenschaftlicher Mitarbeiter in einem Forschungsprojekt
Zeitschriften-Redakteur
Zeitungsredakteur
Zeitungsvolontär